Die Folgen einer Brustkrebs-Behandlung sind nicht absehbar. Bei einer Chemotherapie fallen vielleicht die Haare aus, eine antihormonelle Behandlung versetzt die Frau möglicherweise in die Wechseljahre, unter Umständen muss die Brust amputiert werden. Solche Ereignisse sind für Patientinnen nicht einfach zu verkraften.
Grundsätzlich geht es darum, sich den eigenen Körper zurück zu erobern, sagt Angela Tietz von der Psychosozialen Beratungsstelle für Krebskranke und Angehörige in Berlin. Eine schwierige Aufgabe - nicht nur für brustamputierte Patientinnen. "Wenn jüngere Frauen durch eine Hormonbehandlung plötzlich in die Wechseljahre kommen, erleben das viele als Einbruch", beschreibt Tietz. Der Verlust der Fruchtbarkeit und äußeren Veränderungen wie die Gewichtszunahme machten ihnen zu schaffen. Auch der Haarausfall während einer Chemotherapie ist für die meisten Patientinnen ein einschneidendes Erlebnis. "Wichtig ist in jedem Fall, dass sich die Patientin nicht unter Druck setzt", erklärt die Beraterin. "Sie sollte sich die Zeit geben, die sie braucht." Zeit, um sich selbst mit dem neuen Körper vertraut zu machen, ihn dem Partner zu zeigen und wieder in die Öffentlichkeit zu gehen. Irgendwann vielleicht auch wieder in ein Fitness-Studio, Schwimmbad oder eine Sauna. Ohne Rücksicht darauf, was andere denken, wenn sie eine füllige Frau oder eine asymmetrische Brust sehen. "Wer sich dabei unwohl fühlt, sollte anfangs eine Freundin mitnehmen", rät Tietz. "Das hilft."
"Eine Brustamputation hat natürlich eine besondere Dimension", urteilt Hilde Schulte, Bundesvorsitzende des Vereins Frauenselbsthilfe nach Krebs. Viele Patientinnen fürchten, dass ihnen jeder den Eingriff sofort ansieht. "Doch manche Frauen entscheiden sich auch ganz bewusst gegen einen Brustaufbau", weiß Schulte. Sie sind der Ansicht: "Ich bin auch ohne Brust der wertvolle Mensch, der ich vorher war."
Früher lautete ein Rat an Brustkrebspatientinnen: "Bloß nicht anstrengen." Die Behandlung fordere den Körper schon genug. Inzwischen gilt sportliche Betätigung als wertvoller Bestandteil der Therapie. Sport wirkt nämlich nicht nur körperlich, indem er Beweglichkeit wiederbringt, die Leistungsfähigkeit verbessert und die Immunabwehr stärkt. "Im psychischen Bereich hat Sport einen besonderen Effekt", sagt Schulte. "Er hilft, Selbstwertgefühl zu entwickeln." Vor allem in einer Gruppe mit anderen Brustkrebspatientinnen. "Auch mit einer Prothese ist eine Frau hier keine Außenseiterin." Das gibt Sicherheit und baut auf. Mittlerweile gibt es in vielen größeren Orten, spezielle Sportgruppen für Brustkrebspatientinnen. Interessierte sollten in der Klinik, bei ihrem behandelnden Arzt oder bei den Selbsthilfevereinigungen nachfragen.
"Sport für Brustkrebspatientinnen sollte auf drei Säulen beruhen", erläutert die Berliner Sporttherapeutin Anette Hinrichsen. "Ausdauer, Bewegung/Entspannung und Kraft." Als besonders empfehlenswert gelten Sportarten wie Laufen, Walken oder Schwimmen. Aber auch Tanzen sei bestens geeignet, hat die Fachfrau festgestellt. Beim Tennis oder Rudern hingegen werden die Arme sehr stark beansprucht, as nach dem Entfernen des Tumors schwierig und sehr schmerzhaft sein kann.
Zur Kräftigung eignet sich z.B. Yoga gut. Außerdem enthält es entspannende Elemente, die ebenfalls nicht fehlen sollten. Aber auch autogenes Training, Tai Chi oder Qigong können zu tiefer Entspannung führen. Im Rahmen des Programms "Brustkrebs und Sport" der Berliner Charité bietet Hinrichsen regelmäßige Lauftreffs für Patientinnen an. Dabei braucht keine Frau Angst zu haben, nicht mithalten zu können. Für einen Kilometer lässt sich die Gruppe acht Minuten Zeit. Ganz nach der Maxime: Es geht nicht um Auspowern sondern um Wohlfühlen.