Als Birgit H. im November 2004 völlig unvorbereitet die Diagnose Brustkrebs erhielt, führte ihr Nachhauseweg an einem, bereits in herbstliche Farben getauchten Park vorüber. Dort schoss der 46jährigen das erste Mal angstvoll die Frage durch den Kopf, ob sie den nächsten Herbst noch erleben würde.
Dann ging alles sehr schnell. Bereits kurze Zeit nach der Diagnose folgte die Operation in einem interdisziplinären Brustzentrum. Heute ist Birgit H. der Meinung, es sei besser, sich nach der Diagnose zumindest soviel Zeit zu lassen, um eine zweite Meinung einzuholen. Sie verlor bei der Entfernung des bösartigen, Hormonrezeptor-positiven Tumors ihre linke Brust. Die behandelnden Ärzte in der Klinik rieten ihr daraufhin zu einem Expander, damit die Haut geweitet und so für einen späteren Brustaufbau vorbereitet werden konnte.
Das Schlimmste sollte jedoch noch folgen - die Chemotherapie. Birgit H. fühlte sich der Medizin ausgeliefert und so hilflos wie noch nie zuvor. Dem letzten Termin sah sie mit Ungeduld entgegen. Doch ging es ihr gerade nach dieser letzten Behandlung viel schlechter als nach den anderen. Die Bestrahlung hingegen war für sie den Umständen entsprechend gut zu ertragen. Vor allem auch in Hinblick auf die Frauen, die sie zuvor gesehen hatte und die sich zum Teil regelrecht verbrannt hatten.
Im Mai 2005 folgte die Reha. Diese Zeit sieht Birgit H. heute als eine intensive Erholungsphase. Vier Wochen hatte sie Zeit, sich ausschließlich um sich zu kümmern und konnte beginnen, die letzten Monate zu verarbeiten. Nach der anstrengenden Zeit der Operation, der Chemo- und der Strahlentherapie hat ihr diese Auszeit sehr gut getan. Auf Empfehlung ihres Arztes begann Birgit H. schließlich im Anschluss an die Reha mit einer medikamentösen Nachbehandlung. Sie nimmt seit dem Frühjahr 2005 im Rahmen der adjuvanten Therapie den Wirkstoff Tamoxifen.
Birgit H. ging bereits nach der Erstdiagnose zu dem Treffen der Selbsthilfegruppe mamazone e.V.. Sie merkte schnell, wie gut es ihr tat, sich mit anderen auszutauschen und sich umfassend zu informieren. Schon während ihrer Bestrahlung hatte sie sich zunehmend in dieser Selbsthilfegruppe engagiert, um schließlich nach der Reha ganz dort einzusteigen. Im Rahmen von Seminaren bietet sie mittlerweile autogenes Training für Brustkrebspatientinnen an. Sie versucht, ihren Optimismus weiter zu geben. Denn Birgit H. betont stets: "Ich hatte Brustkrebs." Sie sieht sich selbst zwar immer noch als Brustkrebsbetroffene, jedoch nicht mehr als krank an.
Ihre Familie war die ganze Zeit für sie da und hat sie unterstützt. Sie fühlte sich dort immer gut aufgehoben und weiß heute, dass sie ohne diese Unterstützung nicht die Kraft gehabt hätte, die Krankheit zu überstehen. Den Brustaufbau hat sie erst einmal auf das nächste Frühjahr verlegt. Ihr wichtigstes Ziel ist die Wiedereingliederung in ihren Beruf. Sie ist jedoch noch krankgeschrieben und der Wiedereinstieg erst einmal verschoben. Die Arbeit fehlt ihr sehr. Birgit H. ist mit Leib und Seele Erzieherin und möchte so schnell wie möglich wieder bei "ihren" Kindern sein.
Birgit H. hat dem Krebs von Beginn an die Stirn geboten. Für sie stand immer fest "Krebs, nein danke!".