Gudrun K., Teilnehmerin der Fotoaktion "Trotzdem!"

22.05.2006

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen waren ihr immer wichtig. Auch im August 1995 ging die 51jährige Gudrun K. zur Vorsorgeuntersuchung und ließ eine Mammographie durchführen.

Frau am SeeMit Schrecken stellte sie im Oktober des gleichen Jahres fest, dass Flüssigkeit aus ihrer Brustwarze austrat. Sie tastete ihre Brust ab, konnte jedoch nichts fühlen. Sie erzählte ihrer Ärztin von dem Vorfall, als bei einer Blutuntersuchung (sie ist Diabetikerin) festgestellt wurde, dass der Leukozytenanteil hoch war. Die Ärztin schickte sie sofort zum Ultraschall und zur Mammografie. Noch am selben Tag folgte die Diagnose: Mammakarzinom. Bereits drei Tage später fand sich Gudrun K. in der Klinik wieder und wurde operiert. Zwei Quadranten der linken Brust mussten entfernt werden. Es folgte eine Zeit scheinbar endlosen Wartens auf den histologischen Befund. Nach zwölf Tagen erhielt sie die furchtbare Gewissheit: Bösartiger, Hormonrezeptor-positiver Tumor, schnell wachsend, invasiv. Bereits am nächsten Tag wurden ihr die Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt. Und wieder folgten sechs Tage des Wartens und der Angst. Dann kam die ernüchternde Nachricht: Lymphknotenbefall. Daraufhin wurde sie mit einer Bestrahlung und einer parallelen Chemotherapie behandelt.

 

Ihr Mann, ihre beiden Kinder, Freunde und Verwandte standen ihr zur Seite, wenn sie Trost brauchte, weinten und lachten mit ihr. Danach ging es bergauf. Es folgte eine Reha und Gudrun K. sagte sich stets: "Du schaffst das alles." Bei den jährlichen Nachsorgeuntersuchungen begleitete sie ein beängstigendes Gefühl, das aber von Jahr zu Jahr geringer wurde. Fünf Jahre nach der Schreckensnachricht hatte sie das Gefühl, es geschafft zu haben und sagte dem Krebs Lebewohl.

Sie ging weiterhin zur Vor- und Nachsorge und dann, fast auf den Tag genau neun Jahre nach ihrer Ersterkrankung, gab es wieder einen Verdacht: Bei einer Ultraschalluntersuchung wurden Veränderungen an zwei Lymphknoten in der Achselhöhle entdeckt. Gleich am nächsten Morgen ging sie zur Stanzbiopsie, am Nachmittag lag bereits der histologische Befund vor: bösartig, Metastasen. Gudrun K. wollte es erst nicht glauben, aber ein Fax bestätigte es ihr schwarz auf weiß. Sie versuchte sich selbst glauben zu machen, dass alles nicht so schlimm sei - schließlich hatte sie das alles schon einmal überstanden. Am nächsten Tag folgte jedoch der Zusammenbruch. Es war für sie doch viel schlimmer als erwartet und der Verdrängungsmechanismus funktionierte nicht mehr. Sie fiel in ein tiefes schwarzes Loch.

Erneut wurde Gudrun K. operiert. Auf eine Strahlentherapie wurde verzichtet, da sie von der früheren Behandlung noch eine hohe Strahlenbelastung aufwies und das Risiko von Nervenschädigungen ausgeschlossen werden sollte. Sie bekam wieder eine Chemotherapie, verlor wieder ihre Haare und wieder ging es ihr schlecht. Im Anschluss daran wurde sie medikamentös weiterbehandelt. Auf Grund ihres Hormonrezeptor-positiven Tumors wurde Gudrun K. eine Anti-Hormon-Therapie empfohlen, um die Bildung neuer Metastasen zu verhindern. Nach Tamoxifen nimmt sie nun seit einiger Zeit einmal täglich einen Aromatasehemmer in Form einer Tablette ein.

Für die Reha hatte sie sich dieses Mal eine gemischte Rehaklinik ausgesucht, da sie in keine rein onkologische Klinik mehr wollte.


Ihr Mann, ihre Kinder, Verwandte und Freunde sind auch weiterhin für sie da. Das tut ihr gut und sie sagt selbst, es lohne sich zu kämpfen. Sie hat sich nach dem tiefen Fall wieder gefangen. Gudrun K. wusste, sie hatte es einmal durchgestanden, warum also nicht ein zweites Mal?

 

Ihr Leitspruch in ihrer schweren Zeit wurde: "Jetzt erst recht leben!". Und das tut sie auch.

 

 

Autor: bsmo
Stand: 22-05-2006


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