Brustkrebs: Leben mit dem Partner

13.05.2005

Nach der Diagnose Brustkrebs ist es in einer Partnerschaft oft nicht leicht. Viele Patientinnen trauen sich nicht mehr, Zärtlichkeiten zuzulassen, oder sie mögen sich ihrem Partner nicht mehr nackt zeigen. Klar, dass das Thema "Sexualität" besonders sensibel ist. Doch auch wenn es schwer fällt, sollten sie den Dialog suchen. In erster Linie hilft - reden.

Frau mit MannEins beobachtet Angela Tietz von der Psychosozialen Beratungsstelle für Krebskranke und Angehörige in Berlin immer wieder: "Brustkrebs stellt eine Partnerschaft auf den Prüfstand - besonders, wenn die Beziehung vorher schon kompliziert war." Bestehende Probleme kämen verstärkt hoch. Hinzu tritt natürlich die Furcht, wie und ob es weitergehen wird. Das betrifft nicht nur Patientin selbst. Auch der Partner hat mit Gefühlen der Ohnmacht und Verlustängsten zu kämpfen. Tietz: "Konflikterfahrene Paare tun sich leichter, die veränderte Situation zu bewältigen." Doch nicht alle Paare haben gelernt, Sorgen und Wünsche zu teilen. Manche haben es auch verlernt. Ihnen empfiehlt die Sozialpädagogin, sich professionelle Hilfe zu holen und z.B. eine Paarberatung in Anspruch zu nehmen.

 

Viele Patientinnen fürchten, ihrem Partner nicht mehr zu gefallen

Große Verunsicherungen bringt Brustkrebs zumeist in puncto Sexualität mit sich. "Die Diagnose Brustkrebs fand ich nicht besonders schlimm in meinem Alter", sagt Wilhelmine O., von der Fotografin Hermine Oberück in der Ausstellung "Knotenpunkt" porträtiert. Bei ihrer Brustoperation im Jahr 1997 war sie bereits 80. "Froh war ich, dass es mich so spät erwischt hat. Ich brauche heute auf keinen Mann mehr Rücksicht nehmen, der eine komplette Frau haben will und keinen Krüppel." Wilhelmine O. spricht aus, was viele Patientinnen fürchten - bewusst oder unbewusst.
Hat die Patientin die Brust verloren, ist die Situation meist besonders schwierig. Der Busen ist schließlich nicht nur ein wichtiger Körperteil, sondern das Symbol für Weiblichkeit schlechthin. So ist es nicht verwunderlich, dass brustamputierte Frauen viele Befürchtungen plagen. Wirke ich noch anziehend? Wie wird mein Partner auf die fehlende Brust reagieren? Werden ihn die Narben nicht abstoßen? Patientinnen selbst müssen sich an ihren neuen Körper gewöhnen - ebenso wie ihr Partner. Eine Annäherung sollte möglichst früh beginnen. Der Partner kann z.B. beim Wechseln des Verbandes helfen oder der Frau den Arm massieren. Das sexuelle Erleben wird nach einer Operation sicher anders aussehen als vor der Erkrankung. Aber muss es deswegen schlechter sein?

 

Die Psyche kann das sexuelle Verlangen nachhaltig stören

Oft stört der Krebs die Sexualität auf perfide Art: Sex beginnt bekanntlich im Kopf. Verständlich, wenn die Sorge vor einem erneuten Auftreten des Tumors die Lust auf Sex unterdrückt. Doch woher soll der Partner das wissen, wenn die Patientin es ihm nicht sagt? Womöglich fühlt sich er sich abgelehnt und zieht sich zurück. Und das, obwohl er das so wenig will wie sie. Gemeinsam jedoch könnten beide nach Wegen und Lösungen suchen.

 

Gegen Lustverlust durch die Behandlung gibt es Hilfe

Das sexuelle Verlangen kann auch durch die Therapie beeinträchtigt werden. So führen antihormonelle Behandlungen meist auch bei jungen Frauen zu Wechseljahrsbeschwerden. Die Schleimhaut in der Scheide wird dann trockener, was im Hinblick auf das sexuelle Erleben erhebliche Probleme mit sich bringen kann. Auch andere Medikamente oder störende Narbenschmerzen können das sexuelle Verlangen bremsen. Doch keine Frau ist diesen Behandlungsfolgen hoffnungslos ausgeliefert, vielmehr gibt es Mittel und Wege, ihnen zu begegnen. Die Patientin sollte sich daher nicht scheuen, auch solche Beschwerden im Gespräch mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt zu thematisieren.

 

Autor: BSMO
Stand: 13-05-2005


Share | |
  • Schriftgröße
Dies ist ein Service von Novartis Oncology
Brustkrebs Newsletter
Bilderstrecke
Bilderstrecke
Die Selbstuntersuchung der Brust
Einmal im Monat sollte jede Frau ihre Brüste in aller Ruhe abtasten.
mehr
Krebstherapie
Krebstherapie
Klinische Studien
Krebspatienten sollten alle Chancen nutzen. In der Therapie spielen auch klinische Studien eine wesentliche Rolle.
mehr
Expertenrat
Expertenrat
Fragen Sie einen Arzt
Engagierte Ärzte beraten Sie zum Thema Brustkrebs - schnell und kostenlos.
mehr
Sie befinden sich hier: