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Internet als Informationsquelle - Wo und wie informieren sich Angehörige und Freunde?

22.01.2009

Diagnose Brust- oder Prostatakrebs – der Informationsbedarf Betroffener, aber auch nahestehender Angehöriger und Freunde ist meist groß. Denn auch für letztere bedeutet die Krankheit Veränderungen im eigenen Leben, evoziert Ängste und verlangt nach Bewältigungsstrategien. Bei der Informationsbeschaffung in dieser Personengruppe spielt das Internet eine große Rolle.

Enge Verwandte und Freunde krebskranker Menschen nutzen das Internet häufiger als Betroffene selbst, um sich krankheitsbezogene Informationen zu beschaffen. Dies geht aus mehreren unterschiedlichen Studien hervor. Verschiedene Gründe werden dahinter vermutet, z.B. dass die Versorgung von Angehörigen im Vergleich zu Betroffenen eher mangelhaft oder die Angst vor der Zukunft gerade bei denen, die möglicherweise allein zurückbleiben, besonders groß ist.

Deutlich wird eines - der Informationsbedarf ist groß. Deshalb haben sich die Wissenschaftler in ihrer neuerlichen Untersuchung speziell diesem besonderen Nutzerkreis von krankheitsbezogenen Informationen gewidmet. Im Zentrum des Interesses stand dabei, welche Informationsdefizite bei engen Angehörigen und Freunden krebskranker Menschen bestehen und was ihnen die Internetrecherche bringt.

 

Häufig werden weniger internetbewanderte Verwandte mit Informationen versorgt

Wie eine Analyse des Nutzungsverhaltens der Angehörigen und Freunde zeigt, nutzen enge Freunde und Verwandte krebskranker Menschen das Internet am häufigsten, um sich selbst über die Krankheit zu informieren (91%). Gleichfalls oft werden die Informationen aber auch an eine erkrankte vertraute Person, z.B. einen Elternteil oder einen guten Freund/eine gute Freundin, weitergegeben (78%). Viele Angehörige und Freunde berichten, für erkrankte Verwandte oder Freunde zu recherchieren, die selbst nicht so vertraut mit dem Internet sind (60%).

 

Therapiemöglichkeiten werden am meisten abgefragt

Die Themen der Recherche betreffend steht die Suche nach geeigneten Therapiemöglichkeiten an erster Stelle der Internetaktivitäten. Ebenfalls häufig werden Informationen zum Krankheitsverlauf, zu therapiebegleitenden Maßnahmen sowie alternative Heilmethoden ausrecherchiert. Auch den psychischen Auswirkungen der Erkrankung oder dem Thema Arzt und Klinikwahl wird große Bedeutung beigemessen. Hierfür interessieren sich jeweils knapp über die Hälfte der recherchierenden Angehörigen. Etwa die Hälfte der im Internet tätigen Angehörigen suchen nach Informationen zum Umgang mit Erkrankten.

 

Krankheitsbezogene Foren und Chats geben psychischen Halt

Neben den "normalen" Informationenangeboten werden auch interaktive Informationsangebote wie krankheitsbezogene Foren, Expertenräte und Chats rege genutzt, wenn auch die meisten User die Kommentare anderer nur lesen und selbst keine eigenen Beiträge einstellen. Besonders geschätzt wird an diesen Angeboten neben der medizinischen Information der Austausch mit anderen. Die Kommunikation über persönliche Erfahrungen trägt zur besseren Verarbeitung von Ängsten und zu einer konstruktiven Neustrukturierung des Lebens bei.

 

Freunde und Angehörige sehen sich im Netz besser "versorgt" als von Ärzten

Während sich enge Angehörige von Krebskranken in ärztlichen Beratungsgesprächen überwiegend mangelhaft betreut und begleitet sehen und über zu wenig interessierte Reaktionen auf Anfragen berichten, wird der Kommunikationsweg via Internet positiver bewertet. Hervorgehoben werden die Vielfalt des Netzes, die leichte Zugänglichkeit, die Zeitunabhängigkeit der Nutzung und der mögliche Austausch mit anderen Betroffenen.

Das Internet liefere wesentliche krankheitsbezogene Informationen, leiste einen großen Beitrag bei der Bewältigung der schwierigen Lebenssituation und könne die Alltagsarbeit erleichtern, schätzen die befragten Angehörigen und Freunde wie auch die Experten ein.

Quelle: Nach Informationen der Fachzeitschrift Medizinische Klinik 2007; 102:136-40
Autor: BSMO
Stand: 22-01-2009

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