Die ungehemmt wachsenden Zellen eines Brusttumors können sich lösen, über die Blut- oder Lymphgefäße im Körper verteilen und so unter anderem in das Knochengewebe einwandern. Dort können sie sich festsetzen und Metastasen bilden. Bisphosphonate sind wirksam bei Knochenmetastasen.
Diese Tumorabsiedelungen erhöhen das Risiko für Skelettkomplikationen, vor allem für Knochenbrüche, aber auch Schmerzen sind möglich.
Die Tumorzellen stören das empfindliche Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau- (Osteoblasten) und Knochenabbauzellen (Osteoklasten). Die knochenabbauenden Osteoklasten stehen z.B. in einem regen "Informationsaustausch" mit den eingewanderten Tumorzellen: Tumorzellen selbst können den Knochen nicht angreifen, sie setzen aber lösliche Faktoren frei, welche die Osteoklasten und damit den Knochenabbau stimulieren. Diese wiederum schütten Substanzen aus, die die ohnehin überschießenden Wachstumsimpulse der Krebszellen noch weiter verstärken. So aktivieren sich Tumor- und Knochenabbauzellen gegenseitig: Ein Teufelskreis von Metastasenwachstum und übermäßig gesteigertem Knochenabbau entsteht - die Stabilität des Knochens wird herabgesetzt.
Bisphosphonate sind Substanzen, die dem Knochenabbau entgegenwirken. Bisphosphonate haben zwar keinen direkten Einfluss auf die Krebszellen. Bisphosphonate lagern sich jedoch an den Knochen an und verringern bzw. verhindern so den Abbau durch die Osteoklasten. Die fatale Wechselwirkung zwischen Metastasenwachstum und Knochenabbau wird unterbrochen.
Inzwischen mehren sich die Hinweise darauf, dass Bisphosphonate auch der Entstehung von Knochenmetastasen vorzubeugen vermögen. Behandlungsstudien, bei denen die Bisphosphonate direkt im Anschluss an die erste Krebstherapie (adjuvante Gabe) gegeben werden, zeigen diesbezüglich viel versprechende Ergebnisse. Dieser frühzeitige Einsatz der Medikamente, wenn keine Knochenmetastasen vorliegen, sollte derzeit allerdings nur in klinischen Studien erfolgen.
Ziel der Behandlung mit Bisphosphonaten sind vornehmlich die Vermeidung von Skelettkomplikationen und die Schmerzlinderung. Zu ersteren zählen die Reduktion von Knochenbrüchen und die Verhinderung der sogenannten tumorinduzierten Hyperkalzämie (TIH). Diese entsteht in Folge des vermehrten Knochenabbaus, wodurch der Kalziumgehalt des Blutes zunimmt. Das kann Auswirkungen auf Organe wie z.B. Gehirn, Nieren oder Herz haben. Die Bandbreite der Symptome reicht von Übelkeit, Verstopfung und Nierenfunktionsstörungen bis hin zu Herzrhythmusstörungen, die lebensbedrohlich sein können.
Der Einsatz der Bisphosphonate kann dazu führen, dass weniger Bestrahlungen und Operationen durchgeführt werden müssen. Die Behandlung trägt so oft zur Verbesserung der Lebensqualität und Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Patientinnen bei.
Im Allgemeinen wird die Therapie mit Bisphosphonaten gut vertragen. Zu möglichen unerwünschten Nebenwirkungen zählen Knochen- und Muskelschmerzen. Daneben ist auf die Nierenfunktion zu achten. Bei wenigen Patientinnen, die in der Regel jedoch weitere Risikofaktoren haben, kann es zu Zerstörungen im Kieferknochen kommen. Am Beginn einer Infusionsbehandlung (Gabe des Medikamentes über ein Blutgefäß) treten möglicherweise grippeähnliche Symptome auf, die im Allgemeinen jedoch bei Fortsetzen der Therapie nach einem Tag wieder verschwinden.