Das Risiko auch in der zweiten Brust an Krebs zu erkranken ist besonders hoch, wenn der Ersttumor hormonrezeptor-negativ war, vor dem 30. Lebensjahr diagnostiziert wurde und neben dem Tumor weitere Zellveränderungen vorlagen.
Bis zu 10 % aller Frauen mit Mammakarzinom entwickeln nach einem Ersttumor in der kontralateralen, d. h. der zweiten Brust ein Tumorrezidiv. Außerdem haben Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums anhand von Daten des schwedischen Familienkrebsregisters festgestellt, dass ein Zusammenhang mit der familiären Vorbelastung besteht. Demnach haben Mammakarzinom-Patientinnen, deren Mütter oder Schwestern ebenfalls erkrankt sind, ein besonders hohes Risiko für ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) in der zweiten Brust. Die Wahrscheinlichkeit an einem kontralateralen Mammakarzinom zu erkranken, beträgt nach diesen Untersuchungen für Brustkrebs-Patientinnen ohne familiäre Vorbelastung 3,4 %, bei Patientinnen mit familiärer Vorbelastung 5,48 %.1
In einer weiteren aktuellen Studie wurden die Daten von fast 5.000 Frauen ausgewertet, bei denen zwischen 1992 und 2004 eine erste Brustkrebserkrankung diagnostiziert worden war. Brustkrebspatientinnen hatten im Vergleich zum Brustkrebsrisiko in der Normalbevölkerung ein erhöhtes Risiko auch in der zweiten Brust an Krebs zu erkranken. Dabei war das Risiko bei Frauen, deren erster Tumor hormonrezeptor-negativ war, deutlich höher als bei Frauen mit einem hormonrezeptor-positiven Ersttumor. Außerdem war im Fall eines ersten hormonrezeptor-negativen Tumors die Wahrscheinlichkeit größer, dass auch der zweite Tumor hormonrezeptor-negativ war. Besonders hoch war das Risiko für junge Frauen, die vor dem 30. Lebensjahr zum ersten Mal an hormonrezeptor-negativem Brustkrebs erkrankten2 .
In einer amerikanischen Untersuchung wurden bei 20 % der Frauen mit beidseitigem Brustkrebs drei übereinstimmende Faktoren gefunden3:
Außerdem war in dieser Studie ein hoher Anteil der Patientinnen zum Zeitpunkt der Diagnose älter als 50 Jahre oder wies in der erkrankten Brust zusätzlich zum Tumor weitere Zellveränderungen auf3.
Wenn diese Befunde schon bei einem Ersttumor beobachtet werden, so besteht für die betroffene Patientin ein erhöhtes Risiko an einem Tumor in der zweiten Brust zu erkranken.
Aus den Ergebnissen mehrerer Studien zum Brustkrebsrisiko haben US-Wissenschaftler um Dr. Mitchell H.Gail einen Schwellenwert errechnet, ab dem das Risiko innerhalb von 5 Jahren ein invasives Mammakarzinom zu entwickeln, sehr hoch ist. Dieser Schwellenwert beträgt 1,67. Für die Berechnung werden Parameter wie familiäre Belastung, Lebensalter, Zeitpunkt der ersten Menstruation, Alter bei der Geburt des ersten Kindes und Eintritt der Wechseljahre herangezogen.
Bei Risikogruppen, zu denen Frauen mit positiver Familienanamnese oder sonstigen Hinweisen auf eine genetische Belastung zählen, kann - neben Mammographie oder Ultraschalluntersuchung - eine Magnetresonanztomographie (MRT) für die frühzeitige Diagnose eines Tumors in der zweiten Brust von Vorteil sein.
Eine Studie des American College of Radiology Imaging Network (ACRIN), an der sich auch die Universität Bonn beteiligte zeigt, dass im MRT 90 % aller kontralateralen Tumoren entdeckt werden, die bei der Mammographie zunächst übersehenen worden waren,. Besonders wichtig für die Patientinnen ist, dass die MRT-Diagnose "tumorfrei" zu 99 % sicher ist, denn damit ist praktisch ausgeschlossen, dass bei einem MRT-Bild ein Tumor übersehen wird.4
In verschiedenen Studien wurde bei Frauen nach den Wechseljahren mit hormonrezeptor-positivem Brustkrebs nachgewiesen, dass Aromatasehemmern in der adjuvanten Therapie gegenüber der Tamoxifen-Therapie bessere Behandlungserfolge erzielen. Die Ergebnisse dieser Studien wurden in einer zusammenfassenden Untersuchung ausgewertet.
Dabei hatten die Patientinnen einen Aromatasehemmer (Letrozol, Anastrozol oder Exemestan) oder Tamoxifen als adjuvante Hormontherapie erhalten. Bei einer Therapie mit Aromatasehemmer dauerte es im Vergleich zur Tamoxifen-Behandlung signifikant länger bis Rezidive oder Fernmetastasen auftraten. Das Risiko eines kontralateralen Rezidivs konnte sogar um 41 % verringert werden.5
Deshalb empfehlen die aktualisierten Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms bei postmenopausalen Frauen mit hormonrezeptor-positivem Brustkrebs den Einsatz von Aromatasehemmern direkt im Anschluss an die Operation (adjuvante Upfront-Therapie).