Knochenmetastasen bei Brustkrebs

21.07.2009

Meist ist ein Brusttumor zum Zeitpunkt der Erstdiagnose auf Brust und regionale Lymphknoten beschränkt. Leider können trotz moderner Therapien Tumorrezidive oder Metastasen - häufig in den Knochen – auftreten.

KnochenbeteiligungModerne Früherkennungsmethoden und Therapieverfahren haben die Behandlungserfolge bei Brustkrebs entscheidend verbessert. Ein Teil der Frauen mit Brustkrebs sieht sich leider dennoch mit einem lokalen Wiederauftreten der Erkrankung (Lokalrezidiv und lokoregionales Rezidiv) oder einer Fernmetastasierung konfrontiert - und häufig sind die Knochen beteiligt. Knochenmetastasen wachsen vergleichsweise langsam, können aber Knochenschmerzen auslösen, die Stabilität des Knochens verringern und letztendlich die Lebensqualität massiv beeinträchtigen.

 

Knochen - Bevorzugter Ort der Metastasierung

Brustkrebs kann in verschiedene Körperregionen streuen, beispielsweise in die Haut oder innere Organe (viszerale Metastasen). Besonders häufig streuen sie jedoch in Knochen (ossäre Metastasen), da das Knochenmark ideale Bedingungen für Ansiedlung und Wachstum von Tumorzellen bietet. Bei ungefähr zwei Drittel der Patientinnen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom entwickeln sich im Verlauf der Erkrankung Knochenmetastasen. Betroffen sind vor allem Knochenbereiche, die gut durchblutet sind, wie Wirbelsäule, Oberschenkel- und Beckenknochen, aber auch die Rippen und Schädelknochen.

 

Wie entstehen Knochenmetastasen?

Die Knochen befinden sich während des gesamten Lebens in einem ständigen Auf- und Abbau. Für diesen Knochenumbau sind einerseits Knochenfresszellen (Osteoklasten) verantwortlich, die die Knochensubstanz abbauen. Im Gegenzug wird von den Osteoblasten neue Knochensubstanz gebildet. Im gesunden Knochen halten sich Knochenaufbau und -abbau das Gleichgewicht. Eine Störung dieser Balance kann zu Knochenerweichung (Rachitis, Osteomalazie) oder Knochenschwund (Osteoporose) führen.

Metastasierte Tumorzellen setzen sich im Knochen fest und produzieren dort Botenstoffe (Zytokine). Diese Botenstoffe beeinflussen die Aktivität der Osteoklasten und Osteoblasten. Nicht alle Tumorzellen greifen in der gleichen Art und Weise in den Knochenstoffwechsel ein. Während der eine Metastasen-Typ die Knochensubstanz abbaut, sorgt der andere Typ sogar für Knochenaufbau. Allerdings bildet sich im zweiten Fall kein gesunder, belastbarer Knochen, sondern ein krankhaft verdichteter Knochen mit erhöhtem Frakturrisiko.

 

Formen der Knochenmetastasierung

Je nachdem, welche Umbauvorgänge im Kreislauf des Knochenstoffwechsels vorherrschen - knochenabbauende Aktivität der Osteoklasten oder knochenbildende Aktivität der Osteoblasten - entstehen so genannte osteolytische, osteoblastische oder gemischt osteoblastisch-osteolytische Metastasen. Als osteolytische Metastasen werden Streuherde bezeichnet, in denen der Knochenabbau überwiegt und es zur Auflösung der Knochensubstanz kommt. Dadurch können „mottenfras-ähnliche" Defekte im Knochen entstehen.

Bei osteoblastischen Metastasen regen Botenstoffe die Osteoblasten dazu an, sich zu vermehren. Es kommt zum Aufbau eines krankhaft verdichteten Knochens, der aber instabiler ist als gesunder Knochen. Darüber hinaus geben die angeregten Osteoblasten selbst Botenstoffe ab, die wiederum die Osteoklasten aktivieren - ein vermehrter Knochenabbau setzt ein. Letztendlich entsteht ein Kreislauf, der sich zunehmend selbst verstärkt, wobei der Knochenaufbau im Vordergrund steht. Die Folge sind die so genannten osteoblastischen Knochenmetastasen.

Bei Brustkrebspatientinnen können alle drei Formen der Knochenmetastasierung vorkommen. Häufig sind osteolytische Metastasen zu finden, jedoch weist fast jede zweite Patientin mit Knochenmetastasen osteoblastische Anteile auf.

 

Hauptsymptom chronischer Schmerz

Oft bleiben Knochenmetastasen lange Zeit unbemerkt, können aber Ursache schmerzhafter Skelettkomplikationen werden. Schmerzen treten meist erst auf, wenn die Umbauvorgänge im Knochen größere Ausmaße erreichen. Die Prognose ist im Vergleich zu Metastasen in Organen wie Leber oder Gehirn deutlich besser. Allerdings beeinträchtigen chronische Knochenschmerzen die Lebensqualität erheblich.

Erster Hinweis auf Knochenmetastasen sind meist Schmerzen in den befallenen Knochenarealen. Mehr als 50 Prozent der betroffenen Patientinnen geben an, dass sie bereits längere Zeit an Schmerzen leiden, wenn Knochenmetastasen diagnostiziert werden. Brustkrebspatientinnen, die länger anhaltende Schmerzen im Bereich des Skelettsystems haben, sollten sich an ihren behandelnden Arzt wenden. Er wird abklären, ob diese Beschwerden mit der Krebserkrankung in Verbindung stehen oder Folge von degenerativen Veränderungen wie
z. B. einer Arthrose sind.

 

Welche Komplikationen können auftreten?

Neben dem Symptom chronischer Schmerz können Knochenmetastasen verschiedene Komplikationen mit sich bringen. Ingesamt besteht ein erhöhtes Frakturrisiko oder die Gefahr von Wirbelkörpereinbrüchen, die eine Schädigung des Rückenmarks bis hin zur Querschnittslähmung nach sich ziehen können. Dabei müssen keine starken Kräfte wie z. B. ein Sturz einwirken, oft kommt es in ganz alltäglichen Situationen zum Bruch des Knochens wie z. B. beim Heben einer Getränkekiste.

Bei einem Teil der Patientinnen mit Knochenmetastasen kann der Kalziumgehalt des Blutes (Hyperkalzämie) ansteigen. Infolge dieser tumorbedingten Hyperkalzämie können in verschiedenen Organen (z. B. Nieren, Augen) Kalkablagerungen auftreten, die das Allgemeinbefinden massiv beeinträchtigen können. Zu den Symptomen zählen vermehrtes Durstgefühl, vermehrte Urinproduktion, Verdauungsstörungen, Übelkeit und Herzrhythmusstörungen sowie psychische Veränderungen. Das Risiko einer Hyperkalzämie ist jedoch dank der Therapie mit Bisphosphonaten kaum noch zu beobachten.

 

Wie werden Knochenmetastasen diagnostiziert?

Die wichtigsten Verfahren zur Diagnose von Knochenmetastasen sind Röntgen und Skelettszintigraphie. Diese und die Magnetresonanztomographie (MRT) geben Aufschluss, ob die beobachteten Schmerzen von Metastasen oder anderen Veränderungen ausgehen. Außerdem kann festgestellt werden, ob die betroffenen Knochen instabil sind oder Komplikationen drohen.

Derzeit werden verschiedene Tumormarker (biochemische und molekulare) wissenschaftlich getestet, die den Nachweis von Tumorzellen in Blut und Knochenmark ermöglichen. Sie könnten in Zukunft einen Platz in der individuellen Verlaufskontrolle einnehmen. Bei der Auswertung der Kontrollergebnisse sind jedoch nicht die einzelnen Absolutwerte entscheidend, sondern die Entwicklung der Werte über einen längeren Zeitraum hinweg. Allerdings sind diese Tests bisher nicht zuverlässig bzw. ist die Interpretation der Ergebnisse schwierig, deshalb sind diese Verfahren noch nicht routinemäßig einsetzbar.

 

Wie werden Knochenmetastasen therapiert?

Knochenmetastasen werden in der Regel systemisch (den gesamten Organismus betreffend) behandelt, damit alle Tumorzellen im Körper erfasst werden. Der derzeitige Therapiestandard sieht bei Knochenmetastasen den Einsatz von Bisphosphonaten vor - eine Hormon- oder Chemotherapie kann zudem eingesetzt werden. Ein operativer Eingriff oder eine gezielte Bestrahlung kann erfolgen, wenn lokale Komplikationen drohen oder bereits vorhanden sind.

Quellen: Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms 1. Aktualisierung 2008
http://www.awmf-leitlinien.de/ gesichtet 29.06.09
Mamma MIA. Das Brustkrebsmagazin. 4/2008 BBSG Verlag
Stand: 01.07.2009
Autor: Dr. Ruth Wissler


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