Verschiedene Krebsarten breiten sich auf unterschiedlichem Weg mit Bevorzugung bestimmter Organe aus. Bei Brustkrebs sind vor allem Knochen, Lungen und Leber von Metastasen betroffen.
Prinzipiell kann Brustkrebs in jedes Organ streuen, aber seine Metastasen siedeln sich in einigen Organen häufiger an als in anderen. Obwohl sich die Forschung intensiv mit den Gründen hierfür befasst, sind diese bisher nicht vollständig geklärt. Nach neueren Studien scheinen genetische Faktoren mehr Einfluss auf das Metastasierungsmuster zu haben als bisher angenommen.
Anscheinend ist die Größe des Primärtumors für die Metastasierung nur von untergeordneter Bedeutung. So gibt es Brustkrebs-Fälle, in denen der Ausgangstumor kaum erkennbar ist, aber Metastasen nachweisbar sind. Es gibt auch Tumoren, die bis zu fünf Zentimeter groß werden ohne Metastasen zu bilden.
Auf die Frage, wohin Tumoren streuen, hat die Wissenschaft jetzt erste Antworten. Demzufolge entstehen Metastasen nicht einfach dort, wo die Krebszellen zufällig hingeschwemmt werden. Vielmehr wandern Krebszellen in bestimmte Organe, weil sie Rezeptoren („Antennen") für Substanzen besitzen, die in diesen Organen vorhanden sind. Es handelt sich bei diesen Stoffen z. B. um Neurotransmitter - eigentlich Botenstoffe des Nervensystems - die die malignen Zellen anlocken. So konnte gezeigt werden, dass Brustkrebs- und Darmkrebszellen vor allem von Noradrenalin angezogen werden.
Generell erfolgt die Metastasierung über verschiedene Wege. Brustkrebs metastasiert in der Regel hämatogen oder lymphogen, d.h. über den Blutweg bzw. über das Lymphsystem.
Bei der hämatogenen Ausbreitung weisen die Tumoren verschiedener Organe unterschiedliche Fernmetastasierungsmuster auf. Man unterscheidet hierbei den Cava-Typ und den Pfortader-Typ. Die meisten Krebsarten, wie auch der Brustkrebs, gehören zum Cava-Typ. Das Blut aus der Region des Tumors fließt zunächst in der Hohlvene (Vena cava) zum Herzen und wird von dort aus im Körper verteilt. Zellen, die sich vom Primärtumor abgelöst haben, gelangen dann mit dem Blutfluss quasi „stromabwärts" in die verschiedenen Organe. Metastasen entstehen bei diesem Typ deshalb vorwiegend in Skelett, Lunge, Gehirn, aber auch in der Leber.
Tumoren des Pfortader-Typs metastasieren dagegen bevorzugt in die Leber, weil ihr venöses Blut zuerst über die Pfortader in die Leber, und erst danach über das Herz in den Körper, gelangt. Zu diesem Typ zählen beispielsweise Tumoren der Organe des Verdauungstrakts.

Abb.:
Hämatogene Metastasierung von Brustkrebs: Fernmetastasen treten häufig in Knochen (50 %), Lunge (15-20 %), Leber (10 %) auf.
Kommt es zu einer Metastasierung, werden in bis zu 75 % Prozent aller Fälle Absiedlungen im Knochen nachgewiesen. Knochenmetastasen sind damit die häufigste Form von Metastasen beim fortgeschrittenen Brustkrebs und machen sich vor allem durch Schmerzen bemerkbar. Die Diagnose Knochenmetastasen kann mit Hilfe der Knochenszintigrafie, einer Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) gestellt werden.
Metastasen in der Lunge verursachen meist Symptome wie Kurzatmigkeit, chronischen Husten und rasche Ermüdung. Allerdings fallen die Symptome oft spät auf, denn der Tumor muss sehr viel Lungengewebe angegriffen haben, bevor Beeinträchtigungen der Lungenfunktion auftreten. Die Diagnose wird anhand von Röntgenaufnahmen gestellt. Genauere Informationen über die Lage und die Ausbreitung der Metastase können mittels Dünnschicht-Spiral-Computertomographie oder Spiegelung der Atemwege (Bronchoskopie) erhoben werden.
Metastasen in der Leber haben in der Regel eine schleichende Symptomatik zur Folge. Beschwerden entstehen erst, wenn der Tumor zunehmend Raum beansprucht und gesundes, funktionstüchtiges Lebergewebe zerstört. Zu den Symptomen zählen Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Störungen im Magen-Darm-Bereich oder Fieber. Es kann auch zu Gelbsucht kommen, wenn die Gallenwege durch Metastasen eingeengt oder verschlossen sind. Funktionsstörungen der Leber sind in der Regel mittels Blutuntersuchung nachweisbar. Die eigentliche Diagnose des Tumors erfolgt dann mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).
Herz, Nieren und Milz sind selten von Metastasen betroffen, obwohl gerade diese Organe besonders gut durchblutet sind. Eine sichere Erklärung hierfür steht noch aus. Auch in Organen wie Bauchspeicheldrüse, Magen, Darm, Schilddrüse, Thymus und Nebenniere werden eher selten Metastasen festgestellt.
Amerikanische Wissenschaftler haben einen Marker identifiziert, der bei Brustkrebs mit der hämatogenen Metastasierung in Zusammenhang steht - den so genannten „Tumor Microenvironment of Metastasis" (TMEM). Dieser neue Marker könnte dazu beitragen, das Metastasenrisiko besser einzuschätzen und die Therapien maßgeschneidert anzupassen.
Gewebeproben von 30 Patientinnen mit invasivem duktalem Mammakarzinom, die systemische Fernmetastasen entwickelt hatten, wurden untersucht und mit Proben von Kontrollpatientinnen mit lokal begrenztem Tumorwachstum verglichen. Die TMEM-Dichte war in der Metastasen-Gruppe mehr als doppelt so hoch wie in der Kontroll-Gruppe.
In der Forschungsarbeit wurde ein Zusammenhang der TMEM-Dichte und der Entwicklung von hämatogenen Fernmetastasen nachgewiesen. Dagegen zeigte die TMEM-Dichte keine Beziehung zu den üblichen Prognosefaktoren wie Lymphknoten- oder Rezeptorstatus, Tumorgröße oder Lymphgefäßinvasion. Die Bestimmung der TMEM-Dichte könnte demnach ein geeigneter Marker sein, um in Zukunft die hämatogene Streuung bei Brustkrebs vorherzusagen - unabhängig vom Lymphknotenstatus und anderen prognostischen Faktoren.