Trotz modernster Therapien kann ein Rezidiv entstehen, insbesondere wenn der primäre Brustkrebs ein hohes Rückfallrisiko besitzt. Auch bei einem Rezidiv sind die weiteren Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen von den individuellen Risikofaktoren und Tumoreigenschaften abhängig.
Tritt nach einer abgeschlossenen Behandlung und einer tumorfreien Phase erneut Brustkrebs auf, so bezeichnet man dies als Rezidiv. Wie lange es dauert, bis ein eventueller Rückfall entsteht, kann nicht vorausgesagt werden. Denn dies hängt vom Befall der Lymphknoten, der Tumorgröße, der Malignität und dem Hormonrezeptorstatus, aber auch vom Entstehungsort (Lokalisation) des Rezidivs ab. Generell werden folgende Rezidivformen unterschieden: Lokales Rezidiv, regionales Rezidiv und Fernrezidiv.
Das lokale Rezidiv: Als Lokalrezidiv wird ein Rückfall des Brustkrebses bezeichnet, wenn sich erneute Tumoren auf die betroffenen Brust beschränken. Erstreckt sich das Rezidiv zusätzlich auf die regionalen Lymphknoten der erkrankten Körperseite, so spricht man von einem lokoregionalen Rezidiv.
Das regionale Rezidiv: Bei einem Regionalrezidiv betrifft der erneute Tumorbefall zwar nicht die primär erkrankte Brust, aber deren Lymphknoten, die Brustkorbwand (Thoraxwand) oder auch die darüber befindlichen Hautbereiche.
Das Fernrezidiv: Wenn Tumorzellen vom primären Krebsherd aus streuen, d. h. mit dem Blutstrom oder über die Lymphbahnen an andere Stellen des Körpers transportiert werden und dort zu Metastasen wachsen, so bezeichnet man dies als Fernrezidiv. Ein anderer Fachbegriff hierfür ist Fernmetastase, die beispielsweise in Knochen, Gehirn, Lunge und Leber gefunden werden kann.
Zehn Jahre nach einer brusterhaltenden Operation und Bestrahlung werden
5-10 % Lokalrezidive beobachtet. In diesen Fällen beträgt die durchschnittliche 5-Jahres-Überlebensrate 65 %.
Nach einer Entfernung der Brust (Mastektomie) treten 4 % Rezidive an der Thoraxwand auf. Wurden axilläre Lymphknoten entfernt, so werden 1 % Rezidive im Achselhöhlenbereich verzeichnet. Die betroffenen Patientinnen weisen ein 5-Jahres-Überleben von 50 % bzw. 55 % auf. Bei 16 % der Patientinnen werden an verschiedenen Stellen gleichzeitig auftretende, lokoregionale Rezidive, d. h. Tumoren in der Brust, den Lymphknoten, der Thoraxwand und der Haut beobachtet, hier beträgt das 5-Jahres-Überleben 21 %.
Diese Faktoren bestimmen das Rezidivrisiko nach einem Primärtumor:
• Anzahl der befallenen Lymphknoten (Nodalstatus)
• Größe des Tumors (maximaler Durchmesser)
• Bösartigkeit des Tumors (Grading)
• Hormonrezeptorstatus (ER, PR, HER2,)
• Vollständigkeit der operativen Entfernung des Tumorgewebes (Resektionsstatus)
• Anzahl der Tumoren in der Brust (Fokalität)
• Entzündlicher Tumor (inflammatorisches Karzinom)
• Gefäßeinbruch des Tumors (Gefäßinvasion)
• Alter der Patientin bei Erstdiagnose
Insgesamt gelten für Lokalrezidive die gleichen Prognosefaktoren bezüglich des Krankheitsverlaufens wie für die Ersterkrankung. Ein Unterschied besteht jedoch hinsichtlich des Zeitraums, in dem ein lokales Rezidiv entsteht. Man unterscheidet hierbei zwischen „frühen" Lokalrezidiven (Auftreten in weniger als 2 Jahren) und „späten" Lokalrezidiven nach der Therapie (Auftreten nach mehr als 2 Jahren). Je früher ein Rezidiv auftritt, desto geringer sind die Heilungsaussichten und desto größer ist das Risiko eines Zweit- oder Fernrezidivs.
Auch Patientinnen mit einem lokalen oder lokoregionalen Rezidiv können geheilt werden. Kommt es allerdings zu einem Fernrezidiv, so ist eine Langzeitheilung häufig nicht mehr möglich. Doch auch hier gibt es Hoffnung, denn die Erkrankung kann durch den Einsatz moderner Medikamente und andere Therapien zurückgedrängt oder auf einem anhaltenden Niveau gestoppt werden.
Wie beim Primärtumor hängt auch bei Rezidiven die Wahl der Behandlung von den Tumoreigenschaften bzw. den o.g. Faktoren ab. Hierzu zählen die Anzahl der Hormonrezeptoren, aber auch die zuvor durchgeführten Therapien, die Zeitdauer vom Abschluss der ersten Behandlung bis zum Rezidiv sowie der Hormonstatus der Patientinnen (Prä- oder Postmenopause).
Bei einem Rezidiv bestehen folgende Behandlungsmöglichkeiten: Hormontherapie z. B. Aromatasehemmer oder Chemotherapie und/oder Antikörpertherapie. Insbesondere Medikamente aus der Gruppe der Anti-Hormone wie z. B. Aromatasehemmer können die Häufigkeit an Rezidiven in der so genannten „Erweiterten Adjuvanten Therapie (EAT)" zusätzlich verringern. Bei einigen Lokalrezidiven kommen auch Operation und/oder Bestrahlung in Frage. Außerdem gibt es die Möglichkeit an einer klinischen Studie mit neuen Medikamenten in der Erprobungsphase teilzunehmen.