• Schriftgröße

Das Lokalrezidiv: Trotz Rückfall besteht Aussicht auf Heilung

17.09.2009

Auch wenn sich im Bereich der behandelten Brust ein lokales oder lokoregionales Rezidiv entwickelt, besteht – im Gegensatz zum metastasierten Brustkrebs – durch frühzeitige Diagnose und moderne Therapieverfahren immer noch die Chance einer Heilung.

Fortgeschrittener_LokalrezidivLokalrezidive des Mammakarzinoms, also Rezidive im verbliebenen Brustgewebe, sind relativ selten, für die betroffenen Frauen jedoch ein erneuter Schock und eine extreme psychische Belastung. Obwohl statistisch gesehen das Risiko für Fernmetastasen erhöht und die Gesamtprognose verschlechtert ist, gibt es auch jetzt noch Aussicht auf Heilung.

 

Häufigkeit des lokalen und lokoregionalen Rezidivs

Nach brusterhaltender Operation (BET) mit anschließender Bestrahlung entwickeln fünf bis zehn Prozent der Patientinnen innerhalb von zehn Jahren ein Lokalrezidiv im verbliebenen Brustgewebe (intramammäres Rezidiv).

Wurde die Brust entfernt (modifizierte radikale Mastektomie, MRM), kommt es bei vier Prozent der Patientinnen an der Brustwand zu einem erneuten Tumorwachstum (lokoregionales Rezidiv). Wurden mehrere Lymphknoten entfernt, beträgt die Rate einer erneuten Tumorbildung in der Achselregion etwa ein Prozent. Bei circa 16 Prozent können gleichzeitig lokoregionale Rezidive an verschiedenen Stellen auftreten.


Prognosefaktoren für das Rezidivrisiko

Die Entwicklung und der klinische Verlauf eines intramammären Rezidivs nach brusterhaltender Operation (BET) und eines lokoregionalen Rezidivs nach Brustamputation (MRM) unterscheiden sich kaum. Die Prognosefaktoren für Rezidive entsprechen jenen der Ersterkrankung. Allerdings sind die Heilungsaussichten für Frauen, die einen späten Rückfall erleiden (> 2 Jahre nach der Behandlung), in der Regel größer als für Frauen, bei denen ein erneuter Tumor zu einem früheren Zeitpunkt auftritt. Außerdem haben sie ein geringeres Risiko für Fernmetastasen oder erneutes Tumorwachstum (Zweitrezidiv).

Zu den prognostischen Faktoren für ein Lokalrezidiv bzw. ein lokoregionales Rezidiv nach brusterhaltender Operation (BET) und Brustamputation (MRM) gehören:

  • Anzahl der befallenen Lymphknoten (Nodalstatus)
  • Größe des Tumors (maximaler Durchmesser)
  • Bösartigkeit des Tumors (Grading)
  • Hormonrezeptorstatus (ER, PR, HER2)
  • Vollständigkeit der operativen Entfernung des Tumorgewebes (Resektionsstatus)
  • Anzahl der Tumoren in der Brust
  • Entzündlicher Tumor (inflammatorisches Karzinom)
  • Gefäßeinbruch des Tumors (Gefäßinvasion)
  • Alter der Patientin bei Erstdiagnose


Diagnose eines lokalen oder lokoregionalen Rezidivs

Im Rahmen der Nachsorgeuntersuchungen sind bereits kleine Veränderungen des Gewebes mittels Mammographie oder Ultraschall feststellbar. Außerdem können knotige Veränderungen oder Rötungen der operierten Brustseite auf einen Rückfall hinweisen. Zur sicheren Diagnose eines Lokalrezidivs oder lokoregionalen Rezidivs reichen Mammografie, Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) jedoch alleine nicht aus. Wie auch bei der Ersterkrankung ist die genaue Diagnose nur anhand von Gewebeproben möglich. Außerdem muss abgeklärt werden, ob sich der Tumor eventuell in andere Organe oder Gewebe ausgebreitet hat. Deshalb wird bei einer gesicherten Rezidivdiagnose zusätzlich systematisch nach Metastasen in Leber, Lunge und Knochen (Re-Staging) gesucht.


Re-Staging mittels FDG-PET

Die Ausdehnung des Rezidivs kann anhand der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und eines markierten Traubenzuckers (Fluordesoxyglukose, FDG) festgestellt werden. Tumorgewebe weist im Vergleich zum umliegenden normalen Gewebe einen deutlich gesteigerten Glukosestoffwechsel auf. Diese erhöhte Stoffwechselaktivität kann anhand des markierten Traubenzuckers im Tumorgewebe mittels FDG-PET sichtbar gemacht werden. Das Verfahren dient zum Nachweis sowohl des Primärtumors bzw. eines Lokalrezidivs, als auch eines Lymphknoten- und Organbefalls (z. B. Leber, Lunge, Knochen). Da ein Lokalrezidiv mittels FDG-PET präzise erkennbar ist, wird diese Untersuchung bei Verdacht auf eine rezidivierende Erkrankung (Re-Staging) eingesetzt.


Behandlung eines lokalen oder lokoregionalen Rezidivs

Lokalrezidive bzw. lokoregionale Rezidive werden lokal, d.h. operativ therapiert. Meist wird Patientinnen, die bei der Ersterkrankung brusterhaltend operiert wurden, empfohlen sich die Brust abnehmen zu lassen (Mastektomie).
In diesem Fall sollte die Patientin mit ihrem Arzt bereits vor dem Eingriff über die Möglichkeit eines plastischen Wiederaufbaus sprechen, da der Aufbau eventuell im Rahmen der Mastektomie erfolgen bzw. der Chirurg den Wiederaufbau der Brust bereits während des Eingriffs berücksichtigen kann. Ausnahmsweise kann erneut brusterhaltend operiert werden, insbesondere bei Lokalrezidiven kleiner Primärtumoren, die vollständig und mit Sicherheitsabstand entfernt werden können.

Die Aussichten auf Heilung können durch eine an die Operation anschließende Strahlentherapie steigen. Die Strahlentherapie wird eingesetzt, wenn nach der ersten Operation keine Bestrahlung erfolgt war oder das Rezidiv nicht komplett entfernt werden konnte. Bei inoperablen Tumoren ist die Strahlentherapie die Behandlung der Wahl.

Eine zusätzliche medikamentöse Behandlung kann aufgrund des erneuten Rezidiv- bzw. Metastasierungsrisikos von Vorteil sein. Der Arzt entscheidet für jede Patientin individuell, ob eine medikamentöse Therapie in Frage kommt und welche Medikamente hierfür sinnvoll sind. Erfolgte beispielsweise bei der Erstbehandlung keine Antihormontherapie oder war diese bei Auftreten des Rezidivs schon abgeschlossen, kann er die entsprechenden Medikamente zusätzlich verordnen.

Quellen:
Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms
1. Aktualisierung 2008; gesichtet 29.06.09

Patienteninformation der Nuklearmedizinischen Klinik im Klinikum Rechts der Isar München; gesichtet 15.07.09

Stand: 15.07.2009
Autor: Dr. Ruth Wissler

Dies ist ein Service von Novartis Oncology
Selbstuntersuchung
Selbstuntersuchung
Abtasten der Brust zur Selbstuntersuchung
Einmal im Monat sollte jede Frau ihre Brüste in Ruhe abtasten.
Anleitung zur Brustuntersuchung
Sie befinden sich hier: