In fortgeschrittenen Stadien des Brustkrebses können sich Tumorzellen im Körper ausbreiten und Metastasen bilden. Um diese zu behandeln, gibt es verschiedene therapeutische Möglichkeiten.
Brustkrebszellen können sich in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung aus dem Tumorverband lösen und im Körper ausbreiten (Metastasierung). Am Absiedelungsort vermehren sich diese Zellen und bilden Tochtergeschwülste (Metastasen). Je nach Absiedelungsort unterscheidet man lokale und regionäre Metastasen von Fernmetastasen:
Zellen des Ursprungstumors können über Blutgefäße (hämatogen) und Lymphgefäße (lymphogen) in andere Organe gelangen und dort Metastasen bilden. Brustkrebsmetastasen entstehen meist über den Blutweg. Folgende Fernmetastasen sind bei Brustkrebs am häufigsten:
In einigen Fällen können noch Jahre bis Jahrzehnte nach dem Auftreten eines bösartigen Tumors Spätmetastasen entstehen. Diesem Phänomen liegt eine besondere Fähigkeit einzelner Tumorzellen zugrunde. Sogenannte Schläferzellen (dormant cells) können ihre Teilungsfähigkeit vorübergehend einstellen. Einer zytostatischen Therapie (cyto = Zelle, statik = anhalten), deren Mechanismus darauf beruht, die Zellteilung zu stoppen, können sie sich so entziehen. Zu einem späteren Zeitpunkt können sie ihre Teilungsaktivität wieder aufnehmen und Metastasen bilden.
Der Begriff Rezidiv ist von dem der Metastase abzugrenzen: Als Rezidiv bezeichnet man das Wiederauftreten des Brustkrebses nach dessen scheinbarer völliger Heilung. Tritt das Rezidiv in der gleichen Brust wie der Primärtumor auf, spricht man von einem intramammären oder lokalen Rezidiv. Sind außerdem die angrenzenden Lymphknoten betroffen, handelt es sich um ein lokoregionales Rezidiv. Ein regionales Rezidiv kann in der Haut oder der Thoraxwand im Bereich des Primärtumors auftreten. Manchmal wird der Begriff Fernrezidiv auch synonym für Metastasen verwendet. Metastasen können jedoch auch bereits in Zusammenhang mit der Ersterkrankung auftreten, ein Fernrezidiv nur sekundär.
Hat der Brustkrebs Fernmetastasen gebildet, ist das Ziel, diese wenn möglich zu entfernen. Ist eine Heilung nicht mehr möglich, richtet sich die Therapie auf die Erhaltung einer möglichst hohen Lebensqualität und weitgehende Beschwerdefreiheit aus. Je nachdem, ob nur eine einzelne (solitäre) Metastase vorliegt oder mehrere (multiple), stehen unterschiedliche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.
Ist das Gebiet, in dem sich die Metastase befindet einer operativen Entfernung zugänglich, stellt diese das Mittel der Wahl dar.
Eine weitere Möglichkeit ist die Zerstörung des Tumorgewebes mit Methoden der Lasertechnik. Ein Beispiel hierfür ist die Laserinduzierte Thermotherapie (LITT). Hierbei wird die Metastase mit einem gezielten Laserstrahl überhitzt und verschmort. Mit der Dioden Lasertechnik können Tumorherde präzise ausgeschnitten werden. Ein großer Vorteil der Lasertechnik ist, dass mit diesen Methoden das umgebende Gewebe geschont werden kann, was bei operativen Maßnahmen nur begrenzt möglich ist.
Zusätzlich zu den oben genannten Verfahren oder auch unabhängig von diesen können Methoden der Radiotherapie zum Einsatz kommen. Bei der Selektiven Internen Radiotherapie (SIRT) werden über einen Katheder radioaktive Kügelchen eingebracht, die den Tumor zerstören sollen. Bei der Stereotaktischen Intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) handelt es sich um eine Präzisionsbestrahlung der Metastase unter Schonung des Restgewebes.
Da es sowohl bei den Metastasen als auch beim jeweiligen Krankheitsverlauf große Unterschiede gibt, kann keine einheitliche Therapiestrategie vorgegeben werden. Ist eine operative Entfernung der Metastasen nicht möglich, sollte eine individualisierte systemische Therapie durchgeführt werden. Diese sollte Faktoren wie z. B. Alter der Patientin, Beschwerden, Grunderkrankungen, Hormonrezeptorstatus etc. berücksichtigen. Bei positivem Hormonrezeptorstatus ist zunächst eine Hormontherapie anzustreben. Bei negativem Hormonrezeptorstatus ist eine zytostatische Therapie angezeigt.
Für Patientinnen mit positiven HER-2- Status ist die Behandlung mit HER2-Inhibitoren eine weitere Therapieoption, die einzeln oder in Kombination mit einer zytostatischen Therapie positive Auswirkungen auf die Überlebenszeit haben kann.
Neben den systemischen Therapieverfahren gibt es weitere therapeutische Maßnahmen, die in individueller Abstimmung auf das Beschwerdebild der Patientin zur Anwendung kommen können: