Wenn ein Mammakarzinom Metastasen (Tochtergeschwulste) gebildet hat, beeinflusst das entscheidend den Verlauf der Erkrankung. Bei der Diagnostik von Metastasen spielen bildgebenden Verfahren und die Gewebeuntersuchung der Lymphknoten eine wichtige Rolle.
Solange ein Mammakarzinom noch keine Metastasen gebildet hat, besteht in den meisten Fällen eine Chance auf vollständige Heilung. Deshalb kommt der Diagnostik von Metastasen sowohl bei der Erstdiagnose eines Mammakarzinoms als auch nach bereits erfolgter Behandlung eine entscheidende Rolle zu.
Sobald ein Tumor beginnt, in tiefere Gewebsschichten einzuwachsen, können einzelne Tumorzellen in Lymph- und Blutgefäße eindringen, sich im Körper verteilen und in anderen Organen ansiedeln und Metastasen bilden. Häufig geschieht dies zunächst in den regionalen Lymphknoten, die als "Filterstationen" für die Lymphflüssigkeit dienen, welche aus dem Tumorgebiet abfließt. Mit dem Blutstrom können die Tumorzellen in alle Organe des Körpers gelangen.
Um bei der Erstdiagnose das Tumorstadium bestimmen zu können (Tumorstaging), spielt es eine wichtige Rolle, ob das Mammakarzinom bereits Metastasen gebildet hat. Das Tumorstadium ist das Hauptkriterium für die Entscheidung, welche Therapie die Patientin erhalten soll. Wird an einer Probebiopsie ein invasiver Tumor diagnostiziert, werden - bestenfalls bereits vor der Operation - diejenigen Organe untersucht, in denen sich Metastasen eines Mammakarzinoms am häufigsten ansiedeln. Zu diesen Staging-Untersuchungen gehören routinemäßig:
Der Brustkorb wird mithilfe von Röntgenstrahlen in zwei Ebenen (von vorne und von der Seite) untersucht. Da die Lunge mit Luft gefüllt ist und Luft für Röntgenstrahlung durchlässig ist, erscheint sie auf dem Röntgenbild schwarz. Das Gewebe von Lungenmetastasen ist dichter und kann die Strahlen abschwächen. Sie erscheinen auf dem Röntgenbild als helle Rundherde (der Radiologe bezeichnet dies als Verschattung).
Bei der Ultraschalluntersuchung (Sonografie) sendet das Gerät kurze Schallwellenimpulse aus, die in verschiedenen Gewebsschichten unterschiedlich stark reflektiert und gestreut werden. Die Stärke der Reflexion wird vom Ultraschallgerät in Grauwerte umgewandelt. Strukturen, die die Schallwellen stark reflektieren, erscheinen hell (z. B. Metastasen), weniger stark reflektierende (v. a. Flüssigkeiten) dunkel.
Ein besonderer Vorteil der Sonografie gegenüber anderen Methoden ist, dass die Untersuchung ohne Strahlenbelastung für den Patienten aussagekräftige Ergebnisse liefert. Sie ist schmerzlos, risikoarm und nahezu überall verfügbar. Erhebt sich bei einer Ultraschalluntersuchung der Verdacht, dass Metastasen in der Leber vorliegen könnten, müssen sich andere bildgebenden Verfahren wie Computertomografie oder Kernspintomografie (MRT) anschließen, um eine sichere Aussage machen zu können.
Die Szintigrafie eignet sich besonders gut für die Darstellung von Metastasen im Knochen, aber auch in anderen Organen. Bei der Szintigrafie bekommt der Patient eine radioaktiv markierte Substanz gespritzt, einen sogenannten Tracer. Im Körper reichert sich der Tracer im Gewebe an und setzt bei seinem Zerfall eine schwache Strahlung frei. Wie stark sich der Tracer anreichert, hängt von der Stoffwechselaktivität des jeweiligen Gewebes ab. Tumoren und Metastasen speichern die Substanz in der Regel stärker als gesundes Gewebe.
Mithilfe einer speziellen Kamera können die ausgesandten Strahlen erfasst werden. Ein Computer berechnet anhand der Verteilung der Strahlung ein Bild. Dort wo sich der Tracer anreichert, ist dies als dunkler Fleck erkennbar. Eine erhöhte Stoffwechselaktivität kann allerdings auch z. B. bei einer Entzündung gemessen werden. Deswegen muss ein auffälliger Befund in der Szintigrafie immer mit weiteren bildgebenden Untersuchungen abgeklärt werden. Die Strahlenbelastung, die bei der Untersuchung entsteht, entspricht etwa der einer konventionellen Röntgenuntersuchung.
Neben den oben genannten Verfahren spielen auch die Kernspintomografie (MRT) und die Computertomografie (CT) eine Rolle bei der Diagnose von Metastasen.
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Lange Zeit gehörte zu der chirurgischen Therapie beim Mammakarzinom die routinemäßige Entfernung der Lymphknoten in der Achsel auf der betroffenen Seite. In der Folge kam es sehr häufig zu Beschwerden, z. B. entwickelte jede fünfte Patientin ein Lymphödem. Da die Entfernung der Lymphknoten keinen Einfluss auf die Heilung hat, sondern der Festlegung des Tumorstadiums dient, wird heute standardmäßig nur noch der Wächterlymphknoten (Sentinellymphknoten, Sentinel node) entfernt.
Es handelt sich hier um den ersten Lymphknoten, den die Lymphflüssigkeit aus der Brustdrüse passieren muss. Wenn also Tumorzellen in die Lymphbahn gelangen, müssten sie zuerst dort zu finden sein. Nur wenn der Pathologe im Wächterlymphknoten Tumorzellen nachweisen kann, werden die Achsellymphknoten entfernt, um beurteilen zu können, in welchem Ausmaß sich der Tumor bereits ausgebreitet hat.
An die primäre Therapie des Tumors schließen sich regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen an. Diese zielen vor allem darauf ab, ein Wiederauftreten der Erkrankung frühzeitig zu erkennen und den Verlauf der Therapie zu kontrollieren.
Die aktuellen Leitlinien sehen keine regelmäßige Suche nach Metastasen vor. Nur bei begründetem Verdacht werden entsprechende Untersuchungen durchgeführt. Es ist deshalb besonders wichtig, dass Sie sich selbst beobachten und sich an Ihren Arzt wenden, wenn Sie bei sich Veränderungen bemerken, die auf Metastasen hindeuten könnten. Hierzu gehören z. B.:
Wenn im Verlauf der Erkrankung Metastasen gefunden werden, bedeutet dies zwar, dass der Krebs nicht mehr geheilt werden kann, doch auch dann gibt es noch wirkungsvolle Behandlungsmethoden. Hier finden Sie mehr zur allgemeinen Therapie von Metastasen und zur Therapie bei Knochenmetastasen.