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Es gibt immer eine Chance: Behandlungsmöglichkeiten bei fortgeschrittener Erkrankung

21.07.2009

Die Diagnose fortgeschrittener Brustkrebs ist für alle Patientinnen ein Schock. Aber auch in dieser belastenden Situation gibt es noch Chancen. Es stehen zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten offen, die Hoffnung machen und die Lebensqualität positiv beeinflussen können.

Bisphosphonate_HormontherapieZum Zeitpunkt der Erstdiagnose ist die Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung sehr gering. Häufiger treten Metastasen nach einer abgeschlossenen Therapie auf. Immerhin 81 Prozent der Patientinnen mit einer abgeschlossenen Therapie sind nach fünf Jahren ohne Neuerkrankungen. Doch leider sehen sich innerhalb der ersten fünf Jahre rund 20 Prozent der Patientinnen mit einem Rezidiv oder einer Metastasierung konfrontiert.

 

Therapieziele bei metastasiertem Brustkrebs

Durch den Einsatz moderner Medikamente können Metastasen für lange Zeit zurückgedrängt und kontrolliert werden. Therapieziel ist es außerdem, tumorbedingte Symptome zu verhindern und die Lebensqualität der Patientinnen zu erhalten. Da die Krankheitsverläufe und die Lokalisation der Metastasen höchst unterschiedlich sind, muss jeder Therapieplan individuell erarbeitet werden. Neben den Tumoreigenschaften und dem Metastasierungsmuster sind für die Behandlung das Alter, die hormonelle Situation, der allgemeine Gesundheitszustand und die Lebenssituation der Patientin entscheidend. Danach wird entschieden, ob eine systemische oder lokale Therapie, oder eine Kombination verschiedener Ansätze den besten Therapieerfolg versprechen.

 

Systemische Therapien: von der Hormontherapie bis zu „Targeted Therapies"

Bei Fernmetastasen ist der gesamte Organismus betroffen, deshalb kommen in erster Linie „systemische" Therapien, d.h. auf den ganzen Körper einwirkende Therapien, zum Einsatz. Derzeit sind dies Hormontherapie, Chemotherapie und bei Knochenmetastasen außerdem die Bisphosphonat-Therapie. Als neuere Optionen stehen außerdem die so genannten zielgerichteten Therapien (Targeted Therapies) zur Verfügung, zu denen auch die Therapie mit Antikörpern zählt.

Die moderne Behandlungsstrategie bei metastasiertem Brustkrebs bedeutet Stufentherapie, d.h. die zur Verfügung stehen Medikamente werden nacheinander eingesetzt. Jede Behandlung wirkt nur über einen gewissen Zeitraum, denn die Tumorzellen können eine „Resistenz" bilden und dann trotzdem weiter wachsen. Der Wechsel auf ein Medikament mit einem anderen Wirkmechanismus bietet die Chance das Tumorwachstum und das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern oder zu verlangsamen.

Heute wird, sofern möglich, mit einer antihormonellen Monotherapie begonnen, da sich diese durch hohe Wirksamkeit und geringe Nebenwirkungen auszeichnet. Kombinationstherapien aus Chemotherapeutika und anderen Medikamenten werden nur initial eingesetzt, wenn die Metastasen sehr rasch wachsen und Organfunktionen bedrohen. Generell steht aber die Lebensqualität der Patientinnen im Vordergrund: Sie soll durch die Therapien so wenig wie möglich beeinträchtigt werden.

 

Hormontherapie

Bei postmenopausalen Patientinnen gilt die antihormonelle Monotherapie einer hormon-positiven Metastasierung als Behandlung der Wahl. Wie groß angelegte klinische Studien ergeben haben, sind hierbei Aromatasehemmer Tamoxifen überlegen oder gleichwertig. Deshalb wird bei Frauen nach der Menopause heute zuerst ein Aromatasehemmer und im Anschluss daran Tamoxifen verordnet.

Frauen vor der Menopause erhalten in der Regel eine Kombinationstherapie, d.h. Tamoxifen und ein GnRH-Analogon. Grund hierfür ist, dass sich die Kombination gegenüber der aufeinander folgenden (sequentiellen) Therapie beider Substanzen als wirksamer erwiesen hat.
Zur Kombinationstherapie von Aromatasehemmern und einem GnRH-Analogon in der Prämenopause liegen aktuell zwar einige Daten vor, in der Erstlinien-Behandlung dieser Patientinnengruppe gilt die kombinierte Tamoxifen-GnRH-Analogon-Therapie jedoch derzeit als Goldstandard.

 

Chemotherapie

Eine Chemotherapie kommt i.d.R. nach der antihormonellen Monotherapie zum Einsatz. Handelt es sich um einen aggressiven, d.h. bedrohlich wachsenden Tumor, so können Hormon- und Chemotherapie kombiniert werden.

Sind die Metastasen Her-2/neu-positiv, wird zusätzlich zur Chemotherapie der humane monoklonale Antikörper Trastuzumab gegeben. Ein Vorteil dieser Kombination ist die synergistische Wirkung bzw. die höhere Remissionsrate gegenüber der alleinigen Chemotherapie.

Es gibt beim metastasierten Brustkrebs auch die Möglichkeit, Chemotherapeutika oral einzunehmen, statt sie wie üblich als Infusion zu verabreichen. Hierdurch ist die Therapie bequemer, weil unabhängig vom Besuch einer Klinik, einer Tagesklinik oder eines Arztes. Entscheidend ist hierbei, dass die Patientinnen die Medikamente zuverlässig einnehmen, was nicht immer der Fall ist. Außerdem besteht die Gefahr, dass Nebenwirkungen und Therapieverlauf nicht konsequent kontrolliert werden.

 

Bisphosphonat-Therapie bei Knochenmetastasen

Im fortgeschrittenen Stadium des Brustkrebses sind häufig Komplikationen durch Knochenmetastasen zu beobachten. Bisphosphonate leisten hier einen wichtigen therapeutischen Beitrag. Wie neuere klinische Studien belegen, wird durch eine Bisphosphonat-Therapie nicht nur der Abbau an Knochensubstanz gehemmt und die Wachstumsgeschwindigkeit von Knochenmetastasen verringert, sondern auch der Knochenstoffwechsel normalisiert. Dadurch werden Skelettkomplikationen, wie zum Beispiel Knochenbrüche, Wirbelkörpereinbrüche oder Knochenschmerzen verringert und das Auftreten verzögert. So kann die Lebensqualität und Mobilität der betroffenen Patientinnen erhalten oder sogar verbessert werden.

 

Targeted Therapies

Zu den zielgerichteten Therapien zählen die monoklonalen Antikörper Trastuzumab, Pertuzumab und Bevacizumab.

Trastuzumab und Pertuzumab haben die Behandlung von Brustkrebsmetastasen entscheidend verbessert. In Verbindung mit einer Chemotherapie wird bei Her-2/neu-positiven Metastasen ein deutlich besseres therapeutisches Ansprechen und eine Verlängerung des Gesamtüberlebens erzielt.

Das Wirkprinzip von Bevacizumab ist die so genannte „Angiogenese-Hemmung". Hierbei wird die Neubildung von Blutgefäßen im Tumor verhindert und somit der Tumor quasi ausgehungert, da er nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff über die Blutgefäße versorgt werden kann. Bevacizumab kommt ebenfalls in Kombination mit Chemotherapie zum Einsatz, hierdurch werden die Remissionsraten verbessert und die Zeit bis zum Fortschreiten des Tumors (Tumorprogression) verlängert.

 

Strahlentherapie

Die moderne Strahlentherapie bietet verschiedene hoch effektive Verfahren, die bei tumorbedingten Schmerzen, Frakturgefahr oder bestehenden Frakturen und tumorbedingten Kompressionen des Rückenmarks eingesetzt werden. Hierzu zählen die selektive interne Radiotherapie (SIRT) und die Radionuklid-Therapie, d.h. eine innere Bestrahlung von Knochenmetastasen mit radioaktivem Samarinum-153.

Knochenmetastasen sind die häufigste Indikation für den Einsatz der Strahlentherapie, aber auch Hirn-, Lymphknoten- und Hautmetastasen sowie Metastasen der Aderhaut im Auge. Eine besondere Methode ist die so genannte „Strahlenchirurgie" oder Radiochirurgie. Hierbei fungiert die Strahlung quasi als Messer, mit dem bis zu 3 Zentimeter große Metastasen millimetergenau abgetrennt und vernichtet werden können.

 

 

Quellen: Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms 1. Aktualisierung 2008
http://www.awmf-leitlinien.de/ gesichtet 29.06.09
Mamma MIA. Das Brustkrebsmagazin. 4/2008 BBSG Verlag
Stand: 29.06.2009
Autor: Dr. Ruth Wissler

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