Einer Studie zufolge fühlen sich mehr als die Hälfte aller Brustkrebs-Patientinnen während oder nach ihrer Erkrankung durch quälende Müdigkeit erheblich in ihrem Tagesablauf beeinträchtigt. Diese besondere Form der Erschöpfung bei Krebs nennt man Fatigue. Mit verschiedenen, individuell festzulegenden Maßnahmen lässt sich das Problem jedoch meist in den Griff bekommen.
Die Ursachen der Fatigue können vielfältig sein. Krankheitsbedingte, körperliche, ernährungsbedingte und Umgebungsfaktoren spielen zusammen. Teilweise wird der Zustand durch die Krebserkrankung selbst ausgelöst. Häufig tritt die Erschöpfung aber auch therapiebedingt, infolge einer Chemo-, Strahlen- oder Immuntherapie auf. Beispielsweise kann es im Zuge einer Chemo- oder Strahlentherapie zu einer Verminderung der roten Blutkörperchen (Anämie) kommen, bei der eine Mangelversorgung des Körpers mit Sauerstoff besteht, die in diesem Fall die chronische Erschöpfung auslöst.
Obwohl die Fatigue eine der häufigsten unerwünschten Nebenwirkung in der Krebstherapie ist, die von vielen Krebspatienten darüber hinaus als äußerst starke Beeinträchtigung der Lebensqualität empfunden wird, wird ihr oftmals nicht genügend Aufmerksamkeit zuteil. So gaben in einer Studie 52% der befragten Krebspatienten an, Fatigue sei schlimmer als Übelkeit und Erbrechen und 12% litten so stark, dass sie nicht mehr leben wollten. Nur ein Drittel der Teilnehmer sah jedoch eine Behandlungsnotwendigkeit. Dabei ist die Fatigue heute längst Bestandteil einer allumfassenden Krebstherapie geworden und es bestehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.
Liegt eine Veränderung im Blutbild (Anämie) zugrunde, können blutbildungsfördernde Medikamente (Erythropoetin-Präparate) Erleichterung verschaffen. Hier spricht man von einem sogenannten kurativen bzw. heilenden Therapieansatz. Zudem kann der Arzt mit einer ursächlichen (kausalen) Therapie vorgehen, indem er die eigentliche Krebstherapie in Art und Dosis verändert. Daneben gibt es Medikamente, mit denen sich die Symptome der Fatigue, etwa Müdigkeit, Antriebsschwäche oder Schmerzen, wirksam vermindern lassen. Auch eine Gesprächstherapie kommt in Betracht. Wichtig ist, dass der Arzt die genaue Ursache der Fatigue im individuellen Fall feststellt, die im Einzelfall auch außerhalb der Krebserkrankung und -therapie liegen kann.
Was die wenigsten Krebspatienten wissen: Auch sie selbst tragen zum Ausmaß der Fatigue bei. Denn viele Krebspatienten schonen sich nach der Diagnose und reduzieren körperliche Anstrengung auf ein Minimum. Gewohnte Aktivitäten sollten aber keinesfalls ganz aufgegeben, wenn auch dem gesundheitlichen Befinden angepasst werden. Vorsichtiges körperliches Training hat nachweisliche einen positiven Einfluss auf die Krebstherapie und die Fatigue. Ideal sind moderate Ausdauersportarten wie Gehen, Joggen, Radfahren oder Schwimmen, aber auch schnelleres Spazierengehen drei- bis viermal in der Woche.
Auch Ablenkung und Entspannungsmethoden, regelmäßige Schlaf- und Ruhephasen sowie eine gesunde ausgewogene Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr helfen, die Fatigue zu minimieren.