Mit dem allmählichen Ausbleiben des Regelzyklus’ in den Wechseljahren unterliegt der weibliche Körper einem veränderten Hormonstoffwechsel. Das hat Konsequenzen für Brustkrebserkrankungen und ihre Behandlung.
Die letzte Regelblutung wird auch als Menopause bezeichnet, die Lebensphase danach als Postmenopause (lat. post = nach). Das durchschnittliche Alter der Frauen bei der Menopause liegt bei etwa 51 Jahren.
Während der fruchtbaren Lebensjahre unterliegt der Monatszyklus dem Einfluss von Hormonen aus der Hirnanhangsdrüse und der heranreifenden Eizelle. Postmenopausal gehen die Spiegel dieser Hormone, insbesondere des Östrogens, deutlich zurück. Deshalb stehen postmenopausalen Brustkrebspatientinnen andere Therapieoptionen zur Verfügung als prämenopausalen Frauen.
Die Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Das durchschnittliche Erkrankungsalter beträgt in Deutschland derzeit 63 Jahre. Neben anderen Risikofaktoren beeinflussen auch hormonelle Veränderungen im Verlauf des Lebens das Brustkrebsrisiko. Nach Ergebnissen der Brustkrebsforschung können folgende Punkte das Risiko erhöhen:
Dies deutet darauf hin, dass das Risiko an Brustkrebs zu erkranken mit der Anzahl der durchlaufenen Regelzyklen steigt. Genauer gesagt: mit der Länge des Zeitraumes, indem das Brustdrüsengewebe hormonell stimuliert wird.
Die hormonelle Lebensgeschichte hat also Einfluss auf das Brustkrebsrisiko. Dieser Effekt verliert mit zunehmenden Alter jedoch an Bedeutung, da das Lebensalter selbst zum wichtigsten und vorherrschenden Risikofaktor wird.
Aufgrund des zunehmend ausbleibenden Hormoneinflusses verändert die weibliche Brust mit Eintritt in die Wechseljahre ihre Struktur. Im Röntgenbild, wie es bei der Mammographie erstellt wird, erscheint das Brustgewebe weniger dicht. Dadurch lässt sich Brustkrebs leichter erkennen. Die Diagnose per Mammographie wird deshalb nach den Wechseljahren zuverlässiger.
Frauen in der Postmenopause können keine eigenen Kinder mehr bekommen. Bei der Brustkrebstherapie muss daher nicht mehr Vorsorge getragen werden, dass ein eventuell bestehender Kinderwunsch nach erfolgreicher Behandlung noch erfüllt werden kann. Demnach werden keine Eizellen zur späteren Befruchtung entnommen, die möglicherweise durch eine Therapieform (insb. Chemotherapie) geschädigt würden. Auch die Aggressivität der Therapiemaßnahmen kann erhöht werden, wenn eine Schädigung der Keimdrüsen nicht zwingend verhindert werden muss.
Wichtige Unterschiede vor und nach der Menopause bestehen auch bei der Hormontherapie von Brusttumoren, die auf weibliche Geschlechtshormone mit Wachstum reagieren (hormonempfindliche Tumoren). Prämenopausal, also vor dem endgültigen Ausbleiben der Regelblutung, müssen bei der Behandlung von hormonempfindlichen Tumoren die Eierstöcke als Quelle insbesondere von Östrogen berücksichtigt werden. Dabei kommen zur Anwendung:
Auch postmenopausal muss die Wirkung von Östrogen auf hormonempfindliche Tumoren verhindert werden. In dieser Lebensphase wird Östrogen jedoch nicht mehr in den Eierstöcken, sondern im Fettgewebe gebildet. Verantwortlich ist dafür ein Enzym, das als Aromatase bezeichnet wird. Es kann durch spezielle Medikamente, so genannte Aromatasehemmer blockiert werden. Aufgrund ihrer besseren Wirksamkeit werden diese Medikamente in der Behandlung von postmenopausalem Brustkrebs den Antiöstrogenen vorgezogen, bei Bedarf aber auch mit diesen kombiniert.