Der Befund, den der Arzt nach Biopsie oder Operation zur Verfügung hat, ist in einer speziellen Fachsprache abgefasst. Er lässt sich allerdings auch in Alltagssprache übersetzen und so für Patientinnen und Angehörige verständlich machen. Was verbirgt sich hinter Begriffen wie TNM-Klassifikation oder Grading?
Wie jede Wissenschaft hat auch die Medizin ihre Fachsprache, die es den Ärzten ermöglicht, Sachverhalte untereinander knapp und eindeutig mitzuteilen. Im Gespräch mit der Patientin hat der Arzt aber die Aufgabe, eine allgemein verständliche Sprache zu wählen. Der eine oder andere Fachausdruck wird sich aber dennoch nicht vermeiden lassen, denn nicht alle Fachausdrücke sind leicht in Alltagssprache aufzulösen. Beim Befund nach einer Krebserkrankung handelt es sich um eine besonders stark formelhafte Ausdrucksweise, die für Fachleute eindeutig, für Laien aber zunächst schwer durchschaubar ist.
Krebs ist eine Erkrankung, die mit der Veränderung und Vermehrung von einzelnen Zellen beginnt. Die Tumor wächst zunächst nur an einer Stelle. Erst später wandern Krebszellen in andere Körperbereiche aus. Zunächst in die Lymphknoten in unmittelbarer Nachbarschaft des Primärtumors, später dann in weiter entfernt liegende Bereiche. Die Einteilung der Krebserkrankung in einzelne Stadien, die das Fortschreiten der Krebserkrankung beschreiben, ist für die richtige Therapiewahl sehr wichtig.
Das gängigste Einteilungsschema ist die so genannte TNM-Klassifikation: Der Buchstabe T steht für die Ausdehnung des Primärtumors. Je höher die Zahl nach dem T, desto größer ist der Tumor. Das N steht für Nodus (= Knoten). Damit sind die Lymphknoten gemeint. Je höher die Zahl nach dem N, desto weiter ist der Befall der Lymphknoten fortgeschritten. Der dritte Buchstabe der TNM-Klassifikation steht für Metastase. Gemeint sind hier Fernmetastasen, die weiter entfernte Bereiche des Körpers befallen haben. Auch hier sagt die Höhe der Zahl hinter dem Buchstaben etwas darüber aus, wie weit der Prozess fortgeschritten ist:
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T0: Kein Tumor in der Brust nachweisbar
Tis: Nicht invasiver, d.h. noch nicht in umgebendes Brustgewebe eingewachsener Tumor
T1: Der Tumor misst weniger als 2 cm
T2: Der Tumor ist in der größten Ausdehnung größer als 2 cm, aber kleiner als 5 cm
T3: Die größte Ausdehnung des Tumor beträgt mehr als 5 cm, aber weniger als 10 cm
T4: Der Tumor ist unabhängig von seiner Größe bereits über das Brustgewebe hinaus in Brustwand oder Haut eingewachsen
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N0: Keine tastbaren Lymphknoten in der Achselhöhle auf der Seite des Tumors
N1: Tastbare, d.h. wahrscheinlich befallene, aber noch verschiebbare Lymphknoten in der Achselhöhle
N2: Axilläre Lymphknoten, die untereinander oder an anderen Strukturen festgewachsen und daher nicht mehr verschiebbar sind
N3: Die Lymphknoten entlang der inneren Brustarterie sind befallen oder eine Schwellung des Arms deutet auf eine Abflussstörung im Lymphsystem hin
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M0: Keine Fernmetastasen nachweisbar
M1: Fernmetastasen vorhanden (dazu zählt auch ein Hautbefall außerhalb des Brustdrüsenbereichs)
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Steht vor dem T ein kleines p, so bedeutet das, dass die Tumorgröße vom Pathologen anhand der feingeweblichen Untersuchung des Operationsmaterials bestimmt wurde.
Neben der TNM-Klassifikation wird gelegentlich auch eine (ungenauere) Stadieneinteilung angewendet, in der mehrere TNM-Klassen zu Stadien zusammengefasst werden. Vereinfacht lassen diese sich so definieren:
Stadium 0: Tis, N0, M0, d.h. kein Primärtumor nachweisbar
Stadium I: T1, N0, M0, d.h. Tumor auf eine Brust beschränkt, in der größten Ausdehnung kleiner als 2 cm
Stadium IIA,IIB: T1-T3, N1, M0, d.h. Tumor zwischen 2 cm und 5 cm oder bewegliche axilläre Lymphknotenmetastasen oder Tumor größer als 5 cm ohne Lymphknotenbefall
Stadium IIIA, IIIB: T1-T4, N2-N3, M0, d.h. Tumor größer als 5 cm und Lymphknotenbefall oder Tumor mit Ausdehnung bis zur Brustwand oder Haut oder fixierte axilläre Lymphknoten oder Lymphknoten entlang der inneren Brustarterie
Stadium IV: jedes T, jedes N, M1, d.h. Vorliegen von Fernmetastasen
Auch anhand des entnommenen Brustgewebes können wichtige Informationen gewonnen werden. Je weiter der Ausreifungsgrad der Tumorzellen ist, desto weniger schnell wachsen die Tumoren in der Regel. Den Ausreifungsgrad bestimmt der Pathologe nach der Biopsie. Er nimmt ein sogenanntes Grading vor. Damit unterscheidet er den Ausreifungsgrad der Tumorzellen von gut (G1) über mäßig (G2) bis schlecht ausgereift (G3). Je schlechter ausgereift die Zellen sind desto intensiver sollte dann auch die Therapie sein, um die weitere Ausbreitung zu bremsen.