Einteilung von Brustkrebs nach Gewebetyp, Ausbreitung und Rezeptorstatus

09.02.2010

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Abhängig vom Gewebetyp, aus dem sich der Tumor entwickelt, nimmt die Erkrankung einen unterschiedlichen Verlauf. Neben weiteren Faktoren muss dies bei der Behandlung berücksichtigt werden.

Brustkrebs kann von unterschiedlichen Gewebetypen der Brustdrüse ausgehen. Die beiden wichtigsten Gewebe sind dabei die Milchgänge und die Drüsenläppchen (vgl. Abb.). Der Typ des Ausgangsgewebes des Tumors beeinflusst, welche weitere Entwicklung die Erkrankung wahrscheinlich nimmt.

Darüber hinaus ist für die gewebliche (histologische) Einteilung von Brustkrebs von Bedeutung, ob sich der Tumor noch vollständig innerhalb des Ausgangsgewebes befindet (Carcinoma in situ bzw. nicht-invasives Karzinom) oder ob dessen Grenzen durchbrochen (invasives Karzinom) oder Tochtergeschwülste (Metastasen) abgesiedelt wurden.

Brustkrebs Einteilung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. Brustkrebs entwickelt sich entweder aus dem Gewebe der Milchgänge oder aus Zellen der Drüsenläppchen.

 

Nicht-invasiver Brustkrebs

Es gibt zwei Formen von nicht-invasivem Brustkrebs:

  • Ein nicht-invasiver Tumor, der von den Milchgängen (Ductus lactiferi) ausgeht, wird als duktales Carcinoma in situ (DCIS) bezeichnet.
  • Ein nicht-invasiver Tumor, der sich aus Gewebe von Drüsenläppchen (Lobi glandulae mammariae) entwickelt, heißt lobuläres Carcinoma in situ (LCIS).

Diese Unterscheidung ist wichtig, da lange Zeit nur vom DCIS bekannt war, dass es als Vorstufe eines invasiven Brustkrebses angesehen werden muss. Inzwischen ist jedoch nachgewiesen worden, dass auch das LCIS häufig in einen invasiven Brustkrebs übergeht.

Beide Formen des nicht-invasiven Brustkrebses können entweder eine Brustamputation erforderlich machen oder - in der Mehrzahl der Fälle - brusterhaltend operiert werden. Eine Strahlentherapie und eine medikamentöse Therapie zur Unterdrückung erneuten Tumorwachstums sollten sich in den meisten Fällen anschließen. Die Behandlungsaussichten sind deutlich besser als bei invasivem Brustkrebs.

 

Invasiver Brustkrebs

Etwa 80 % aller Fälle von invasivem Brustkrebses entfallen auf die beiden häufigsten Formen:

  • Das duktal-invasive Karzinom macht etwa 70-80 % aller invasiven Brustkrebsfälle aus und ist damit der häufigste bösartige Brusttumor. Der Krebs geht von Zellen der Milchgänge aus. Duktal-invasive Karzinome sind oft als einzelne, meist harte Knoten zu tasten. Gemessen an der Überlebensrate der Patientinnen nach zehn Jahren lassen sich duktal-invasive Karzinome tendenziell weniger erfolgreich behandeln als andere Brustkrebstypen.
  • Das lobulär-invasive Karzinom ist mit einem Anteil von rund 10 % aller invasiven Tumoren seltener. Der Krebs geht in diesem Fall von Zellen der Drüsenläppchen aus. Lobulär-invasive Karzinome können oft als mehrere verteilte Knötchen getastet werden.

Die übrigen 20 % der invasiven Tumoren entfallen auf seltenere Brustkrebstypen wie das medulläre Karzinom, das muzinöse Karzinom, das tubuläre Karzinom und andere.

Eine Sonderstellung nehmen die so genannten inflammatorischen (entzündlichen) Karzinome ein. Diese Bezeichnung bezieht sich nicht auf das Ausgangsgewebe des Krebses, sondern geht darauf zurück, dass diese Brustkrebserkrankungen scheinbar von einer Entzündungsreaktion der Brust begleitet werden. Es kommt zu Rötung, Schwellung und Überwärmung der Brust. Ursache dafür ist jedoch nicht eine echte Entzündung, sondern das Einwandern von Krebszellen in die Haut. Eine Geschwulst ist nicht immer zu tasten. Alle invasiven Brustkrebstypen können inflammatorisch verlaufen, jedoch ist das nur bei 1 bis 2 % der Erkrankungen der Fall. Die Behandlungsaussichten bei diesem Brustkrebsverlauf sind schlechter als bei allen anderen Verlaufsformen.

 

Einteilung nach Rezeptorstatus

Für die Behandlung und die Behandlungsaussichten bei Brustkrebs sind über die Einteilung nach Typ hinaus noch weitere Merkmale des Krebsgewebes entscheidend. Besonders wichtig in Hinblick auf den Einsatz von Medikamenten gegen Brustkrebs ist das Vorhandensein bestimmter Empfangsstellen (Rezeptoren) für Botenstoffe, die das Wachstum des Krebses beeinflussen. Dazu gehören insbesondere Rezeptoren für Östrogen, Progesteron sowie die Empfangsstelle für einen speziellen Wachstumsfaktor, die als HER-2/neu bezeichnet wird.

Wenn Rezeptoren für Östrogen und/oder Progesteron vorhanden sind, ist der Tumor hormonsensitiv und kann mit einer Antihormontherapie (z. B. Aromatasehemmer) behandelt werden. Sind HER-2/neu-Rezeptoren in großer Zahl auf den Tumorzellen anzutreffen, spricht dies für einen eher ungünstigen Verlauf der Erkrankung. Als Therapieoption steht jedoch eine Antikörpertherapie zur Verfügung.

Quellen:
Deutsche Krebsgesellschaft: Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. 1. Aktualisierung 2008; Li ChI, et al.: Risk of Invasive Breast Carcinoma Among Women Diagnosed with Ductal Carcinoma In Situ and Lobular Carcinoma In Situ, 1988-2001. Cancer 2006; 106: 2104-2112; Soerjomataram I, et al.: An overview of prognostic factors for long-term survivors of breast cancer. Breast Cancer Res Treat 2008; 107: 309–330; Deutsche Krebshilfe: Die blauen Ratgeber, Bd. 002, Brustkrebs; Riede UN, Schäfer HE (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pathologie. Stuttgart, New York 1993 (3. Auflage), S. 955-961; Dudenhausen JW, Schneider HPG (Hrsg.): Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Berlin, New York 1994.
Stand: 15.01.2010
Autor: Jan Groh


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