Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Abhängig vom Gewebetyp, aus dem sich der Tumor entwickelt, nimmt die Erkrankung einen unterschiedlichen Verlauf. Neben weiteren Faktoren muss dies bei der Behandlung berücksichtigt werden.
Brustkrebs kann von unterschiedlichen Gewebetypen der Brustdrüse ausgehen. Die beiden wichtigsten Gewebe sind dabei die Milchgänge und die Drüsenläppchen (vgl. Abb.). Der Typ des Ausgangsgewebes des Tumors beeinflusst, welche weitere Entwicklung die Erkrankung wahrscheinlich nimmt.
Darüber hinaus ist für die gewebliche (histologische) Einteilung von Brustkrebs von Bedeutung, ob sich der Tumor noch vollständig innerhalb des Ausgangsgewebes befindet (Carcinoma in situ bzw. nicht-invasives Karzinom) oder ob dessen Grenzen durchbrochen (invasives Karzinom) oder Tochtergeschwülste (Metastasen) abgesiedelt wurden.

Abb. Brustkrebs entwickelt sich entweder aus dem Gewebe der Milchgänge oder aus Zellen der Drüsenläppchen.
Es gibt zwei Formen von nicht-invasivem Brustkrebs:
Diese Unterscheidung ist wichtig, da lange Zeit nur vom DCIS bekannt war, dass es als Vorstufe eines invasiven Brustkrebses angesehen werden muss. Inzwischen ist jedoch nachgewiesen worden, dass auch das LCIS häufig in einen invasiven Brustkrebs übergeht.
Beide Formen des nicht-invasiven Brustkrebses können entweder eine Brustamputation erforderlich machen oder - in der Mehrzahl der Fälle - brusterhaltend operiert werden. Eine Strahlentherapie und eine medikamentöse Therapie zur Unterdrückung erneuten Tumorwachstums sollten sich in den meisten Fällen anschließen. Die Behandlungsaussichten sind deutlich besser als bei invasivem Brustkrebs.
Etwa 80 % aller Fälle von invasivem Brustkrebses entfallen auf die beiden häufigsten Formen:
Die übrigen 20 % der invasiven Tumoren entfallen auf seltenere Brustkrebstypen wie das medulläre Karzinom, das muzinöse Karzinom, das tubuläre Karzinom und andere.
Eine Sonderstellung nehmen die so genannten inflammatorischen (entzündlichen) Karzinome ein. Diese Bezeichnung bezieht sich nicht auf das Ausgangsgewebe des Krebses, sondern geht darauf zurück, dass diese Brustkrebserkrankungen scheinbar von einer Entzündungsreaktion der Brust begleitet werden. Es kommt zu Rötung, Schwellung und Überwärmung der Brust. Ursache dafür ist jedoch nicht eine echte Entzündung, sondern das Einwandern von Krebszellen in die Haut. Eine Geschwulst ist nicht immer zu tasten. Alle invasiven Brustkrebstypen können inflammatorisch verlaufen, jedoch ist das nur bei 1 bis 2 % der Erkrankungen der Fall. Die Behandlungsaussichten bei diesem Brustkrebsverlauf sind schlechter als bei allen anderen Verlaufsformen.
Für die Behandlung und die Behandlungsaussichten bei Brustkrebs sind über die Einteilung nach Typ hinaus noch weitere Merkmale des Krebsgewebes entscheidend. Besonders wichtig in Hinblick auf den Einsatz von Medikamenten gegen Brustkrebs ist das Vorhandensein bestimmter Empfangsstellen (Rezeptoren) für Botenstoffe, die das Wachstum des Krebses beeinflussen. Dazu gehören insbesondere Rezeptoren für Östrogen, Progesteron sowie die Empfangsstelle für einen speziellen Wachstumsfaktor, die als HER-2/neu bezeichnet wird.
Wenn Rezeptoren für Östrogen und/oder Progesteron vorhanden sind, ist der Tumor hormonsensitiv und kann mit einer Antihormontherapie (z. B. Aromatasehemmer) behandelt werden. Sind HER-2/neu-Rezeptoren in großer Zahl auf den Tumorzellen anzutreffen, spricht dies für einen eher ungünstigen Verlauf der Erkrankung. Als Therapieoption steht jedoch eine Antikörpertherapie zur Verfügung.