Die Misteltherapie nimmt in der alternativen Tumortherapie insofern eine gewisse Sonderstellung ein, als ihre Wirksamkeit weltanschaulich, d.h. anthroposophisch begründet wird.
Schon in der Antike wurde die Mistel als Heilpflanze verwendet. Eingang in die "erweiterte Heilkunst der Anthroposophischen Bewegung" fand sie im letzten Jahrhundert durch Rudolf Steiner. Die Mistel wird daher in erster Linie im Rahmen einer anthroposophischen Krebstherapie eingesetzt. Steiner sah die Ursachen der Krebsentstehung "in einer Revolution physischer Kräfte und einem Mangel an Ätherkräften".
Schulmediziner und Krebsexperten stehen der Misteltherapie skeptisch, wenn nicht gar ablehnend gegenüber. Zwar konnten Wissenschaftler eine gewisse Immunwirkung der Mistel in Zellkulturen nachweisen, vor allem die sogenannten Lektine, Inhaltsstoffe der Mistel, finden ein gewisses Interesse. Aber die bislang vorgelegten Therapiestudien über eine Wirksamkeit der Mistelpräparate beim Menschen halten den strengen Anforderungen an Arzneimittelstudien nicht stand.
Lediglich bei der Behandlung von Frauen mit Brustkrebs könnte eine Mistelbehandlung von Bedeutung sein, um im Rahmen einer Chemotherapie die Lebensqualität zu verbessern. Doch Experten fordern weitere Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser Behandlung. Zudem fehlen eindeutige wissenschaftliche Beweise, dass die Misteltherapie den Krebs selbst bekämpft und die Überlebenschance der Betroffenen erhöht.
Derzeit sind verschiedene Mistelpräparate im Handel. Die von den Produzenten genannten Einsatzgebiete sind nicht für jedes Präparat gleich. Sie reichen z.B. von Normalisierung der Immunabwehr über Verbesserung der Lebensqualität bis hin zur unspezifischen Reiztherapie. Einige Anbieter geben eine krebshemmende Wirkung an, andere betonen vor allem eine Besserung des Allgemeinzustandes und der Lebensqualität.
Abhängig vom einzelnen Präparat werden die Mistelextrakte unter die Haut gespritzt, über einen Tropf (Infusion) oder direkt in das Krebsgeschwür verabreicht.
Auch die Nebenwirkungen können von Präparat zu Präparat unterschiedlich sein. So kommt es nach Angaben der Hersteller möglicherweise zu unerwünschten Ereignissen wie z.B. Rötungen an der Einstichstelle, allergische Reaktionen oder Lymphknotenschwellungen. Daneben gibt es auch aus Sicht der Produzenten verschiedene Kontraindikationen (Gegenanzeigen) für ihr jeweiliges Mittel. Dazu zählen z.B. Infektionen, Fieber oder auch bestimmte Schilddrüsenerkrankungen.
Patienten wird deshalb empfohlen, sich vor Beginn einer solchen Therapie mit dem behandelnden Arzt zu beraten und auch die Kostenübernahme durch die jeweilige Krankenkasse oder -versicherung zu klären. In erster Linie kommt ein Einsatz der Mistelextrakte als begleitende Therapie in Frage, betonen auch die Unterstützer einer solchen Behandlungsform. Etablierte Therapien wie Operation, Chemo-, Bestrahlungs- oder Antihormon-Therapie kann sie nicht ersetzen.