Brustkrebs tritt nicht nur im höheren Lebensalter auf, sondern auch bei jüngeren Frauen, die noch Kinder haben wollen. Eine Schwangerschaft im Anschluss an die Krebstherapie ist keinesfalls ausgeschlossen.
Brustkrebs betrifft nicht nur Frauen im höheren Lebensalter: Von zehn Patientinnen sind noch ein bis zwei im gebärfähigen Alter. Gleichzeitig nimmt das Alter der Frauen bei ihrer ersten Schwangerschaft zu. So liegt das Durchschnittsalter verheirateter Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, nur knapp unter dreißig Jahren. Damit steigt zwangsläufig die Zahl derer, die sich nach einer überstandenen Brustkrebstherapie noch Kinder wünschen.
Die Chemo kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen
Prinzipiell ist gegen eine Schwangerschaft einige Zeit nach einer Brustkrebserkrankung nichts einzuwenden. Allerdings haben viele Patientinnen nach der Krebstherapie Schwierigkeiten damit, schwanger zu werden. Durch die Chemotherapie kann es zum dauerhaften Versiegen der Eierstockfunktion kommen, sodass die Monatsblutung ausbleibt und die Wechseljahre vorzeitig einsetzen. Bei Frauen über 40 Jahren ist das fast die Regel.
Auch die Hormontherapie setzt die Funktion der Eierstöcke außer Kraft, allerdings nur vorübergehend. GnRH-Analoga, die ausschließlich bei Brustkrebspatientinnen vor der Menopause eingesetzt werden, blockieren den Monatszyklus vollständig. Derzeit wird in Studien geprüft, ob dieser Effekt sogar zum Schutz der Eierstöcke vor den Folgen der Chemotherapie eingesetzt werden kann. Durch die Behandlung mit GnRH-Analoga vor Beginn der Chemotherapie könnte, so die Hoffnung, eventuell die Fruchtbarkeit erhalten bleiben. Während der Behandlung mit dem Antiöstrogen Tamoxifen oder dem Antikörper Trastuzumab ist eine Schwangerschaft prinzipiell möglich. Dennoch raten Experten derzeit davon ab, da Schädigungen des Embryos befürchtet werden.
Ausgeschlossen ist eine Schwangerschaft nicht
Bei jüngeren Frauen erholen sich häufig die Eierstöcke nach Beendigung der Krebstherapie, sodass sie wieder schwanger werden können. Aus medizinischer Sicht spricht auch nichts dagegen. So wirkt sich laut Studienergebnissen eine baldige Schwangerschaft nach Abschluss der Krebstherapie nicht ungünstig auf den Krankheitsverlauf aus und erhöht auch nicht das Risiko für einen Rückfall.
Entnahme von Eierstockgewebe: Noch im experimentellen Stadium
Die Möglichkeit, vor der Krebsbehandlung mehrere gesunde Eizellen zu entnehmen und sie für eine spätere Befruchtung aufzuheben, ist bei Krebspatientinnen aus Zeitgründen oft nicht möglich. Geprüft werden daher andere Methoden, etwa die Entnahme von gesundem Eierstockgewebe, das eingefroren und später zurückverpflanzt wird. Erste positive Ergebnisse zu diesem Verfahren liegen vor. Allerdings befindet es sich noch im experimentellen Stadium und ist von einem Einsatz in der klinischen Routine weit entfernt.
Bei Kinderwunsch vom Gynäkologen beraten lassen
Brustkrebspatientinnen, bei denen nach der Therapie noch ein Kinderwunsch besteht, aber Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden, können sich Hilfe beim Spezialisten holen. Erster Ansprechpartner ist der Gynäkologe. Er kann bereits verschiedene Tests und Behandlungen durchführen und gegebenenfalls an ein spezialisiertes Zentrum überweisen. Dort finden die betroffenen Frauen auch geschulte Ansprechpartner, die ihnen bei der Bewältigung der mit der Fruchtbarkeitsbehandlung und dem eventuell unerfüllt bleibenden Kinderwunsch verbundenen psychischen Belastung zur Seite stehen.
Besondere Expertise bietet das 2006 gegründete deutschlandweite Netzwerk FertiPROTEKT. Es richtet sich nicht nur an Brustkrebspatientinnen, sondern gibt grundsätzlich allen krebskranken Frauen und Männern die Möglichkeit, sich vor und nach einer Chemo- oder Strahlentherapie über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Erhalt der Fruchtbarkeit beraten und gegebenenfalls entsprechend behandeln zu lassen. Das Netzwerk umfasst universitäre Zentren, Krankenhäuser und private Kinderwunschzentren, die strengen, vorgeschriebenen Qualitätsstandards folgen.