Mit Strahlen gegen Tumorreste

04.11.2004

Bei der Strahlentherapie geht es darum, das Erbmaterial der bestrahlten Zellen zu zerstören. Da Tumorzellen diese Schäden schlechter reparieren können als gesundes Gewebe, sterben sie bereits bei einer Strahlendosis, die gesunden Zellen relativ wenig anhaben kann.

Die am häufigsten angewandte Methode ist die so genannte externe Bestrahlung, bei der die Strahlen von einer geeigneten Apparatur auf die Brust gerichtet werden. Die Strahlung kann aber auch von radioaktivem Material stammen, das in dünnen Plastikröhrchen direkt in die Brust eingesetzt wird (interstitielle Bestrahlung).


Strahlenbehandlung gehört meist zum Therapiekonzept

Die Strahlentherapie ist meist Teil eines Gesamttherapiekonzepts, zu dem die Operation und meist auch eine unterstützende (adjuvante) medikamentöse Therapie gehören - in der Fachsprache nennt sich das multimodale (Baustein-Komponenten-) Therapie. Genau welche Bausteine in welcher Reihenfolge genutzt werden, ist dabei individuell verschieden. Gelegentlich wird der Tumor zum Beispiel schon vor der Operation (präoperativ) bestrahlt, damit er kleiner wird und man ihn besser entfernen kann. Eine Bestrahlung kann aber auch zur Behandlung von Tochtergeschwülsten eingesetzt werden, insbesondere wenn diese das Skelett befallen haben.

 

Strahlentherapie nach OP tötet verbliebene Krebszellen ab

Meistens wird die Strahlentherapie jedoch nach einer Operation durchgeführt, um vereinzelte, noch verbliebene Tumorzellen zu zerstören. Bei einer brusterhaltenden Operation wird die Strahlenbehandlung heute routinemäßig als Nachbehandlung eingesetzt. Denn es hat sich gezeigt, dass sie das Risiko für ein örtliches Wiederauftreten (Lokalrezidiv) eines Tumors deutlich senken kann. Tatsächlich ist durch diese Nachbestrahlung das Risiko eines solchen Rezidivs in der erhaltenen Brust nicht höher, als wenn die gesamte befallene Brust operativ entfernt worden wäre.

In einzelnen Fällen kann es allerdings auch nach einer Brustamputation notwendig werden, eine Strahlentherapie anzuschließen. Etwa wenn der Verdacht besteht, dass nicht das gesamte Tumorgewebe erfasst werden konnte. Zur Zeit wird in Studien auch der Nutzen einer intraoperativen Radiotherapie (einer Bestrahlung noch während der Operation) geprüft. Noch ist jedoch nicht bekannt, ob dieses Verfahren die Nachbestrahlung ergänzen bzw. ersetzen kann.

Die Strahlen- oder Radiotherapie ist in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt und verbessert worden. Durch die moderne computergestützte Therapieplanung kann man bei einer externen Bestrahlung das Strahlenfeld so berechnen, dass die erwünschte (tumorzerstörende) Wirkung und die unerwünschten Nebenwirkungen eng auf den Bereich des Bestrahlungsfeldes begrenzt bleiben. Meist ist eine vorübergehende Rötung des Bestrahlungsgebietes sowie eine Anschwellung und ein Wärmegefühl der Brust die einzige sichtbare Nachwirkung. Nur in Einzelfällen kann es noch zu stärkeren "Verbrennungen" der gesunden Haut oder zu Nachwirkungen auf den Gesamtorganismus (Abgeschlagenheit, Blutbildveränderungen u.a.) kommen.

 

Beginn einer Strahlentherapie erst nach Wundheilung

Nach einer Operation beginnt die Behandlung erst dann, wenn die Wundheilung abgeschlossen ist - nach etwa drei bis vier Wochen. Damit sich gesundes Gewebe von einer Strahleneinwirkung erholen kann, findet die externe Bestrahlung verteilt auf mehrere Sitzungen (fraktioniert) mit jeweils kleiner Strahlendosis statt. Dies erfolgt überwiegend ambulant und dauert bei brusterhaltend operierten Patientinnen durchschnittlich ca. sechs Wochen. Während dieser Zeit kommt die Patientin an mehreren Tagen pro Woche in die Klinik. Normalerweise wird am Ende der Behandlungszeit oft eine zusätzliche Strahleneinheit ("boost") einer höheren Dosis auf die Stelle appliziert, an welcher der Tumor entfernt worden ist.

Autor: BSMO
Stand: 04-11-2004


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