Die psychische Stärke und Stabilität von Patienten hat großen Einfluss auf den Verlauf einer Krebstherapie. Vor allem psychisch weniger belastbare Menschen sollten spezielle psychologische Angebote nutzen.
"Neben den objektiven medizinischen und krankheitsspezifischen Faktoren haben die individuellen Eigenschaften und Ressourcen, die in der Persönlichkeit jedes einzelnen Patienten liegen, einen großen Einfluss auf Verlauf und Erfolg der Bewältigung einer Krebserkrankung", erläutert Prof. Dr. Bernhard Strauß von der Medizinischen Universität Jena.
Zusammen mit Kollegen untersuchte Prof. Strauß, wie die psychische Konstitution von Krebspatienten den Verlauf einer Strahlentherapie beeinflusst. 250 Tumorpatienten wurden vor und nach ihrer Behandlung von Psychologen befragt. Ziel der Untersuchung war es, eine Methode zu finden, anhand derer sich Patienten, die eine besondere psychosoziale Unterstützung benötigen, verlässlich identifizieren lassen.
"Laut unserer Ergebnisse ist bei etwa 70 Prozent der Betroffenen eine psychosoziale Betreuung angezeigt", fasst Christina Brix, Mitarbeiterin in Strauß Team, die Ergebnisse der Befragung zusammen. Zugleich zeigte sich, dass Patienten mit einer robusten psychischen Verfassung die Therapie besser vertrugen. Vor allem labile Menschen litten unter den Nebenwirkungen der Therapie wie etwa der chronischen Erschöpfung (Fatigue).
"Bereits das Angebot mit Außenstehenden über Gefühle und Ängste vor und nach der Therapie zu sprechen, wie bei unseren Interviews geschehen, wurde von den Patienten dankbar angenommen", erklärt die Psychologin. Umfassende Informationen und psychologische Beratungsangebote beeinflussen den Therapieverlauf ebenfalls positiv. In Jena werden zukünftig entsprechende Maßnahmen ergriffen, um Krebspatienten psychologisch besser zu begleiten. Dazu zählen Erläuterungen, was in einer derartigen Stresssituation mit der Psyche geschieht - die so genannte Psychoedukation -, ein Selbstsicherheits- und Sozialtraining sowie Entspannungsübungen.